24. August 2026

Kakaoschalen im Klassenzimmer: Wie Ghana Kakaoabfälle in Chancen verwandelt

Was wäre, wenn die bei der Kakaoverarbeitung anfallenden Abfälle in etwas verwandelt werden, das die Bildung verbessert, lokale Arbeitsplätze schafft, Rückverfolgbarkeit stärkt und zu besseren Lebensbedingungen für Kakaoanbaugemeinden beiträgt?

Von Francis Dadzie Mintah

In Bukuruso im ghanaischen Distrikt Twifo Praso wird diese Frage durch einen innovativen Ansatz beantwortet, bei der Kakaoschalen in Schulbänke verwandelt. Der Ansatz zeigt, wie landwirtschaftliche Abfälle zu einer Ressource für die Gemeindeentwicklung werden können. Insgesamt 300 aus recycelten Kakaoschalen hergestellte Schulbänke wurden den Schülern der Gemeinde übergeben. Damit wurden dringend benötigte Schulmöbel bereitgestellt und gleichzeitig ein neuer Ansatz für den Umgang mit Abfällen aus der Kakaoverarbeitung aufgezeigt.

Kakao ist eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse Ghanas und sichert direkt und indirekt den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen. Doch bei der Produktion und Verarbeitung von Kakao fallen auch erhebliche Mengen an Biomasse an, darunter Kakaoschalen. Traditionell wurden solche Nebenprodukte oft in erster Linie als Abfall betrachtet oder für relativ geringwertige Zwecke verwendet. Die Umwandlung von Kakaoschalen in langlebige Materialien für Schulmöbel stellt diesen herkömmlichen Ansatz in Frage. Anstatt Kakaoschalen als Produkt mit geringem wirtschaftlichem Wert zu betrachten, behandelt die Initiative sie als Ressource, die wieder in den Wirtschaftskreislauf integriert werden kann.

Mit Unterstützung des Ghana Cocoa Board ist jeder Tisch über das Ghana Cocoa Traceability System (GCTS) mit einem digitalen Produktpass verknüpft. Das bedeutet, dass die bei der Herstellung des Materials verwendeten Kakaoschalen bis zu den Bauern und Farmen zurückverfolgt werden können, von denen sie stammen. Ein Schüler, der an einem dieser Tische sitzt, nutzt nicht einfach nur ein Möbelstück. Durch die Rückverfolgbarkeit kann der Tisch potenziell die Geschichte des Kakaobauern, der Plantage, der Kakaobohne und des Verarbeitungsrückstands erzählen, der schließlich Teil des Klassenzimmers wurde.

In Kakaoanbaugemeinden gehen die Aktivitäten zur Bekämpfung von Kinderarbeit über das Reine durchsetzen von Vorschriften und Aufklärungsarbeit hinaus. Sie müssen auch die zugrunde liegenden wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen angehen, die die Anfälligkeit von Kindern für Kinderarbeit erhöhen können. Die Bereitstellung von 300 Pulten trägt direkt dazu bei, ein besseres Lernumfeld für Kinder in Bukuruso zu schaffen. Gleichzeitig verbindet die Fokussierung der Initiative auf Wertschöpfung, lokale Beschäftigung, Rückverfolgbarkeit und die Lebensgrundlagen der Bauern die Maßnahme mit umfassenderen Bemühungen, widerstandsfähigere Kakaoanbaugemeinden zu schaffen.

Nachdem die Platten aus recycelten Kakaoschalen vom Material Innovation Centre hergestellt worden sind, wurden lokale Tischler beauftragt, diese in brauchbare Schulbänke zu verwandeln. Lösungen aus dem Bereich Kreislaufwirtschaft können den größten Nutzen für die Gemeinschaft erzielen, wenn Innovation mit lokalen Fähigkeiten und Unternehmen verknüpft wird. Anstatt sich vollständig auf extern hergestellte Produkte zu verlassen, schafft die Initiative Raum für lokale Handwerker, welche sich an der Produktion und der Wertschöpfung beteiligen.

Für Kakaobauern reicht eine Verbesserung im Kakaoanbau allein möglicherweise nicht aus, um die Herausforderungen des Kakaosektors zu bewältigen. Die Suche nach verantwortungsvollen Wegen, um aus Kakao und seinen Nebenprodukten zusätzlichen Wert zu generieren, schaffen ergänzende wirtschaftliche Chancen. Indem Kakaobauern aus Kakaoschalen potenziellen Wert schaffen, tragen zirkuläre Innovationen zu einer umfassenderen Strategie zur Verbesserung der mit der Kakaoproduktion verbundenen wirtschaftlichen Erträge bei.

Das Sustainable Cocoa Program ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Union und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, dem FAO Investment Center, dem European Forest Institute und dem Joint Research Center der Europäischen Kommission gemeinsam umgesetzt wird.