Vom Feld in den Fanshop: Faire Baumwolle und starke Lieferketten für eine bessere Zukunft

Wie kann ein Fanartikel dazu beitragen, Armut zu bekämpfen, Kinder zu stärken und globale Lieferketten fairer zu machen? Das Projekt „Vom Feld in den Fanshop“ verbindet nachhaltige Baumwollproduktion in Indien mit verantwortungsvollem Sport‑Merchandising und gezielten Sport‑ und Bildungsprogrammen für die nächste Generation. Für diese Idee wurde das Projekt mit dem Fairtrade Award 2026 ausgezeichnet.

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© GIZ

Baumwolle ist für die Textilproduktion die wichtigste Naturfaser der Welt. Global wird die meiste Baumwolle in Indien produziert. Doch obwohl dieses Rohmaterial so gefragt ist, können die Baumwollbäuerinnen und -bauern von ihrem Einkommen schlecht leben: Geringe Erträge im konventionellen Anbau, hohe Landwirtschaftskosten und ein schlechter Zugang zu globalen Lieferketten machen das kaum möglich. 

Die Produktion von fairer Bio-Baumwolle könnte hier eine Lösung sein – nicht nur, weil Bio-Anbau eine größere Ertragssicherheit und damit mehr wirtschaftliche Stabilität bietet, sondern auch, weil die Kriterien für die Bio-Zertifizierung soziale Vorteile für die Produzent*innen und ihre Familien umfassen. Das BMZ-initiierte GIZ-Projekt „Vom Feld in den Fanshop“ unterstützt deshalb Kleinbäuerinnen und -bauern in der indischen Region Gujarat dabei, ihre Produktion auf Bio-Landwirtschaft umzustellen. 

Ziel ist der Aufbau transparenter und fairer Lieferketten im Sport‑Merchandising: Die im Projekt produzierte Baumwolle wird von Partnern aus der Textilwirtschaft verarbeitet und für Fanartikel deutscher Fußballvereine genutzt – vom Baumwollfeld bis in den Fanshop. Bislang wurden rund eine Million Fanartikel aus der Projekt-Baumwolle hergestellt – bis 2028 sollen es mehr als 1,5 Millionen Artikel sein. Es geht allerdings nicht nur um Trikots & Co.: Das Projekt eröffnet auch Sportangebote und damit Chancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche aus der Region.

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Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet: Im Januar 2026 überreichte Dr. Gerd Müller den SDG Innovation Award, und im Juni gewann "Vom Feld in den Fanshop" den Fairtrade Award in der Kategorie Projektkooperation. Die Kategorie würdigt Engagement, das über Fairtrade-Mindestpreise und die Fairtrade-Prämie hinausgeht. Gemeinsam nahmen wir den Award entgegen und Sascha Steinbrück vom HSV sprach für alle, als er sagte: “Auf dem Platz sind wir Rivalen, für die gute Sache halten wir alle zusammen. Ich glaube, da kann man sich ein Beispiel dran nehmen." 

Der Gewinn des Fairtrade Awards ist für uns eine großartige Bestätigung, dass partnerschaftliche Ansätze entlang der gesamten Lieferkette echten Impact schaffen können. Wir sind sehr stolz und danken allen Beteiligten für ihr großartiges Engagements, denn nur im Team können wir langfristige Veränderungen herbeiführen

Mathias Diestelmann, CEO BRANDS Fashion.

Wir haben eine Partnerschaft mit dem nachhaltigen Textilunternehmen BRANDS Fashion, Fairtrade Deutschland und acht Fußballvereinen der deutschen Bundesliga initiiert, um faire und biologische Baumwolle in die Fanshops zu bringen. Von Beginn an mit dabei und als Mitgründer maßgeblich am Start des Projekts beteiligt war Arminia Bielefeld. Wir sind stolz, auch die Vereine 1. FC Union Berlin, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, SV Werder Bremen, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund und FC St. Pauli zu unseren Projektpartnern zu zählen.  

Werder Bremen
© Werder Bremen

Denn nachhaltige Lieferketten beginnen nicht erst auf dem Feld, sondern bei den Lebensbedingungen der Familien insgesamt: Durch Sportprogramme werden Kinder gestärkt, Bildungszugänge verbessert und Zukunftsperspektiven eröffnet – als wichtige Ergänzung zur wirtschaftlichen Stabilisierung der bäuerlichen Haushalte.

Damit die Umstellung von konventionellem zu Bio-Anbau auch wirklich Erfolg haben kann, stellt „Vom Feld in den Fanshop“ nicht nur die nötigen Saaten zur Verfügung, sondern bietet vor allem Trainings an, um die Bäuerinnen und Bauern angemessen auf den Umstellungsprozess und die neuen Herausforderungen vorzubereiten. Während in der ersten Projektphase (2022-2025) bereits 450 Produzent*innen gefördert wurden, sind es in der zweiten Projektphase (2025-2028) schon 1.650 – ein gewaltiger Zuwachs in nur drei Jahren. Aber nicht nur der umweltfreundlichere Bio-Anbau steht im Vordergrund. Das Projekt fördert auch die Ernährungssicherheit der Baumwollbäuerinnen und -bauern. Dazu dienen ein besserer Marktzugang und Abnahmegarantien ihres Produkts für die ersten Jahre. Die Nachfrage aus dem Sport‑Merchandising schafft dabei Planungssicherheit und macht nachhaltige Baumwolle auch wirtschaftlich attraktiv. Schon im ersten Förderzeitraum konnten die Projektteilnehmenden ihr durchschnittliches Einkommen um satte sieben Prozent steigern. Zudem berichten 360 Produzent*innen, dass sie ihre Baumwolle durch neue Anbau- und Anpassungsmethoden besser vor den klimatischen Herausforderungen schützen konnten – was den Erträgen zugute kommt.

Projektlaufzeit: seit 2022

Produzent*innen: Ausbau von 450 auf 1.650

Einkommensentwicklung: durchschnittlich +7 %

Klimaresilienz: 360 Produzent*innen berichten Verbesserungen

Produzierte Baumwolle: 4.180 Tonnen Baumwolle auf Bio umgestellt

Fanartikel: bislang 1 Mio., bis 2028 1,5 Mio.

Kinder und Jugendliche: mehr als 3.000 Teilnehmende bis 2028

Gesamtreichweite: rund 25.000 direkt oder indirekt Begünstigte bis 2028

In diesen Geschichten können Sie mehr über die Umstellung auf Bio-Baumwolle lernen:

Es geht im Projekt aber nicht nur ums Jetzt. Damit faire Lieferketten langfristig bestehen können, braucht es Perspektiven für die nächste Generation in den Anbauregionen. Deshalb setzt „Vom Feld in den Fanshop“ gezielt auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sportprogramme dienen als niedrigschwelliger Zugang, um auch benachteiligte junge Menschen zu erreichen, die Gemeinschaft zu stärken und Bildungsinhalte zu vermitteln. Neben diesen life skills geben die Trainer*innen und Mentor*innen, die das Projekt unter den jungen Menschen in Gujarat selbst ausbildet, auch weiter, wie wichtig Ressourcen- und Umweltschutz sind. Damit verbindet das Projekt ökologische Nachhaltigkeit in der Lieferkette mit sozialer Entwicklung vor Ort.

In diesen Geschichten können Sie mehr über die Stärkung von Kindern und Jugendlichen in Gujarat lernen:

Das Projekt unterstützen der Kleidungshersteller BRANDS Fashion und acht Vereine der 1. und 2. Bundesliga. BRANDS Fashion stellt aus der in Gujarat produzierten Bio-Baumwolle Fanartikel für die beteiligten Vereine her. Diese wiederum garantieren die Abnahme der fair und umweltfreundlich hergestellten Produkte. „Wenn wir mehr Bio-Baumwolle auf dem Markt haben wollen, dann muss man sich auch daran beteiligen, die Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden bei der Umstellung von konventioneller Baumwolle zu ökologischer Produktion zu begleiten“, erklärt BRANDS Fashions Nachhaltigkeitsabteilungsleiterin Rabea Schafrick die gesellschaftliche Verantwortung, die die Projektpartner*innen übernehmen.

Die beteiligten Unternehmen und Vereine verbinden über „Vom Feld in den Fanshop“ verantwortungsvolle Beschaffung mit messbarer Wirkung entlang der Lieferkette. Langfristige Abnahmezusagen, transparente Herkunftswege und die Unterstützung nachhaltiger Anbaumethoden berücksichtigen sowohl ökologische als auch soziale Aspekte. Gemeinsam stellen alle Beteiligten unter Beweis, dass Organisationen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und zugleich belastbare Beiträge zu Nachhaltigkeits- und Lieferkettenzielen leisten können.

Unternehmen und Organisationen können ihre Verantwortung entlang ihrer Lieferketten wahrnehmen und zugleich konkrete betriebliche Vorteile erzielen. Transparenz über die Herkunft von Rohstoffen, bessere Lebensgrundlagen von Produzentinnen und Produzenten und nachhaltigere Produktionsweisen zeigen, wie ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele in Beschaffungs- und Lieferkettenprozesse integriert werden können.

Durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern vor Ort erhalten die beteiligten Unternehmen Zugang zu nachhaltig erzeugter und rückverfolgbarer Baumwolle, lokalem Fachwissen und belastbaren Lieferbeziehungen. Das kann Beschaffungs- und Umsetzungsrisiken senken, die Produktqualität und Planungssicherheit erhöhen und Unternehmen dabei unterstützen, Nachhaltigkeitsanforderungen glaubwürdig und praxisnah umzusetzen.

Nachhaltig produzierte Fanartikel machen das Engagement von Vereinen und Unternehmen für faire Lieferketten sichtbar und stärken Glaubwürdigkeit und Markenbindung. Zugleich können neue Beschaffungs- und Kooperationsmodelle erprobt werden, die gesellschaftliche Wirkung mit resilienteren Lieferketten und wirtschaftlichen Perspektiven verbinden.

Zukünftig wird „Vom Feld in den Fanshop“ das Projekt auf weitere Distrikte in der Region Gujarat ausweiten, damit noch mehr Baumwollbäuerinnen und -bauern sowie Kinder und Jugendliche davon profitieren können.