Faire Agrarlieferketten im Einklang mit EU-Vorgaben
Das Projekt unterstützt Importeure in der EU, Branchenorganisationen und landwirtschaftliche Betriebe im globalen Süden dabei, neue europäische Nachhaltigkeitsanforderungen und nationale Vorgaben in Agrarlieferketten praktisch umzusetzen.
Projekt auf einen Blick
Mit neuen europäischen Nachhaltigkeitsgesetzen steigen die Anforderungen an Unternehmen in Agrarlieferketten. Besonders kleine und mittlere Unternehmen benötigen praktische Informationen, Beratung und geeignete Instrumente, um ihre Lieferketten transparent und nachhaltig zu gestalten.
Dazu gehören insbesondere Anforderungen zu entwaldungsfreien Lieferketten, unternehmerischen Sorgfaltspflichten und ökologischer Produktion. Besonders landwirtschaftliche Produzentenorganisationen im globalen Süden stehen vor der Herausforderung, die steigenden Anforderungen zu erfüllen und befürchten, vom europäischen Markt ausgeschlossen zu werden.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert das Projekt, um die Vorbereitung und Umsetzung der EU-Nachhaltigkeitsgesetze zu unterstützen. Die GIZ begleitet das Projekt im Rahmen der SASI fachlich und vernetzt es mit weiteren Aktivitäten zu nachhaltigen Agrarlieferketten.
Fairtrade Deutschland und das Forum Fairer Handel bringen ihre Erfahrung zu fairem Handel, nachhaltigeren Lieferketten und der Zusammenarbeit mit dem Privatsektor ein. Sie entwickeln Informations-, Beratungs- und Dialogangebote für Unternehmen und Branchenorganisationen.
Im Mittelpunkt stehen die praktische Umsetzung europäischer Vorgaben, der Austausch von Erfahrungen sowie die Entwicklung geeigneter Unterstützungsangebote.
Die geltenden Gesetze müssen auch für uns auf den Farmen umsetzbar sein.
Projektziele

Techniker der honduranischen Kaffee-Kooperative Cooperativa Mixta Brisas de la Frontera (COMBRIFOL) erfassen die Geokoordinaten der Kaffeeanbauflächen ihrer Mitglieder, die zur Einhaltung der EUDR-Verordnung erforderlich sind.
Das Projekt verfolgt drei Ziele:
- Unternehmen und Produzentenorganisationen über neue Nachhaltigkeitsanforderungen informieren und beraten.
- Praxisnahe Instrumente und Unterstützungsangebote entwickeln.
- Erfahrungen aus fairem Handel und nachhaltigeren Agrarlieferketten in entwicklungs- und wirtschaftspolitische Debatten einbringen.
Projektumsetzung
Das Projekt besteht aus vier aufeinander abgestimmten Komponenten. Im Mittelpunkt steht der HREDD Support Fund, der die praktische Umsetzung von Menschenrechts- und Umweltanforderungen in Agrarlieferketten fördert.
Komponente 1: Unternehmen und Fair-Handels-Akteure informieren
Fairtrade Deutschland und das Forum Fairer Handel informieren europäische (Fair-Trade-) Unternehmen über die aktuellen Entwicklungen der EU-Gesetze und deren praktische Umsetzung. Dazu nutzen sie unter anderem Webinare, Informationsmaterialien, Beratungsgespräche und Fachveranstaltungen.
Zielgruppe: Unternehmen, Beraterinnen und Beratern, Ministerien und Öffentlichkeit
Komponente 2: Beratung und Qualifizierung ausbauen
Die Fairtrade Produzentennetzwerke entwickeln ihre Beratungs- und Schulungsangebote weiter. Dabei greifen sie neue gesetzliche Anforderungen und den konkreten Unterstützungsbedarf von Produzentenorganisationen auf.
Zielgruppe: Landwirtschaftliche Produzentenorganisationen wie Kooperativen und Exportunternehmen
Komponente 3: Unternehmen und landwirtschaftliche Produzentenorganisationen gezielt unterstützen mit dem HREDD Support Funds
Über einen Unterstützungsfonds werden ausgewählte Unternehmen und landwirtschaftliche Produzentenorganisationen dabei begleitet, neue Nachhaltigkeitsanforderungen gemeinsam umzusetzen, gefördert werden unter anderem Beratung, Trainings, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
Zielgruppe: landwirtschaftliche Produzentenorganisationen und europäische KMU
Komponente 4: Erfahrungen in Politik und Öffentlichkeit einbringen
Die Projektpartner bringen Erfahrungen aus der Praxis in politische und gesellschaftliche Debatten ein. Dazu führen sie Gespräche mit Politik und Wirtschaft, veröffentlichen Fachbeiträge und stellen erfolgreiche Ansätze aus den Projekten vor.
Das Projekt ist Teil des vom BMZ finanzierten Engagements für nachhaltige Agrarlieferketten. Über die SASI bündelt die GIZ Erfahrungen aus verschiedenen Vorhaben und macht Wissen, Netzwerke und erprobte Lösungsansätze für weitere Akteure zugänglich.
Eine Auswahl finden Sie unter Unsere Projekte – SASI
Der HREDD Fund ist ein Projekt, das sowohl für uns als kleine Kaffeerösterei als auch für unseren Partner vor Ort sehr viel Sinn macht. […] Wir sehen das [den HREDD-Fonds] als Möglichkeit, unsere Zusammenarbeit zu vertiefen und auch weitere Projekte aufzubauen. Ich finde es immer sinnvoll, Partner wie Fairtrade anzusprechen, wenn man besondere Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit dem Ursprung hat.
Partner und Mitwirkende
Das BMZ beauftragt und finanziert das Projekt. Es setzt dafür den entwicklungspolitischen Rahmen. Die GIZ setzt den Auftrag um. Im Rahmen der SASI bündelt sie ihre Expertise und Aktivitäten zu nachhaltigen Agrarlieferketten. Fairtrade Deutschland und das Forum Fairer Handel führen die Informations-, Beratungs- und Dialogmaßnahmen des Projekts gemeinsam mit den Fairtrade Produzentennetzwerken im globalen Süden durch.
Fairtrade Deutschland e.V.
Fairtrade ist das weltweit bekannteste Sozialsiegel und hat das Ziel, gerechtere Bedingungen für jene Menschen zu schaffen, die Lebensmittel und andere Rohstoffe in Ländern des globalen Südens anbauen. Fairtrade ist eine globale Bewegung und verbindet Konsumentinnen und Konsumenten, Unternehmen und Produzentenorganisationen miteinander, um den Welthandel gerechter zu gestalten.
Forum Fairer Handel e.V.
Das Forum Fairer Handel ist der Verband des Fairen Handels in Deutschland. Sein Ziel ist es, das Profil des Fairen Handels zu schärfen, gemeinsame Forderungen gegenüber Politik, Wirtschaft und Handel durchzusetzen und eine stärkere Ausweitung des Fairen Handels zu erreichen.
Fairtrade Africa (FTA)
Das Produzentennetzwerk Fairtrade Africa vertritt Fairtrade-zertifizierte Produzentinnen und Produzenten in Afrika und im Nahen Osten.
Lateinamerikanisches und karibisches Netzwerk der Fairtrade-Kleinproduzenten und -arbeiter (CLAC)
Das Lateinamerikanische und Karibische Koordinierungskomitee für Fairen Handel (CLAC) ist das älteste Netzwerk von Fairtrade-Produzentinnen und Produzenten und vertritt Kooperativen von Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten in Lateinamerika und der Karibik.
Fairtrade-Netzwerk asiatischer und pazifischer Produzenten (NAPP)
Das Fairtrade NAPP vertritt Fairtrade-zertifizierte Produzentinnen und Produzenten en in ganz Asien und im Pazifikraum.
Was wurde bisher erreicht?

Projektstart in Côte d’Ivoire, wo die Kakao-Kooperative „Société Coopérative Agricole Niamkey et Famille de l’Indénié“ (SCANFI-SCOOPS) Maßnahmen zur Prävention von Kinderarbeit in ihrer Lieferkette umsetzt.
Die Fairtrade-Produzentennetzwerke haben mehr als 600 Produzentenorganisationen in 20 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas mit Schulungen unterstützt. Dabei vertieften über 2.230 Vertreterinnen und Vertretern ihr Wissen zu Menschen- und Umweltrechten sowie zu den Auswirkungen europäischer Nachhaltigkeitsvorgaben auf ihre Arbeit.
Im Rahmen des HREDD Support Funds setzen bereits 17 Lizenzpartner und 34 kleinbäuerliche Produzentenorganisationen in 22 Projekten in 19 Ländern Maßnahmen in Kaffee-, Kakao- und Bananenlieferketten um. Insgesamt werden damit rund 108.900 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erreicht.
Zu den Maßnahmen gehören unter anderem die Erhebung von Geodaten für entwaldungsfreie Lieferketten, Schulungen und Organisationsentwicklung, die Förderung von Frauen und jungen Menschen, die Umstellung auf Agroforstsysteme sowie die Anpassung landwirtschaftlicher Praktiken an europäische Nachhaltigkeitsanforderungen.
Mit diesem Projekt hoffen wir, die verschiedenen Vorschriften erfüllen zu können, die uns der EU-Markt heute auferlegt. Daher ist die gesamte Initiative von großer Bedeutung, da sie unseren Familien mit der Unterstützung des Fonds ermöglicht, unseren Kaffee weiterhin auf dem EU-Markt zu verkaufen.
Der Faire Handel verbindet wirtschaftliche Zusammenarbeit mit entwicklungspolitischen Zielen. Er stärkt Produzentinnen und Produzenten und ihre Organisationen im globalen Süden durch faire und widerstandsfähige Lieferketten und Handelsstrukturen. Er zeigt, wie unternehmerische Sorgfaltspflichten zu Menschenrechten und Umwelt in der Praxis umgesetzt werden können.
Damit ist er Referenzpunkt für hohe Standards bei unternehmerischen Sorgfaltspflichten. Zugleich vermittelt der Faire Handel seit Jahrzehnten, wie globale Verantwortung, Entwicklungszusammenarbeit und bewusster Konsum zusammenwirken.
Damit kann der Faire Handel einen wirksamen Beitrag zu den im BMZ-Reformpapier „Zukunft zusammen global gestalten“ formulierten Zielen leisten, auch indem er die durch die EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher (Empowering Consumers Directive – EmpCo) angestrebte Stärkung des Schutzes vor irreführenden Umweltaussagen und Nachhaltigkeitslabels unterstützt und zugleich entwicklungspolitische Inhalte für eine breite Öffentlichkeit verständlich und greifbar macht.
Weitere Informationen
- SASI Lunchbreak zum HREDD Support Fund: SASI Lunchbreak on supply chain due diligence act part 7 – SASI (Präsentation auf EN zum Download hier)
- Projektübersicht HREDD-Förderfonds (EN): 2026_Factsheet HREDD Fund_EN.pdf
- Überblicksseite von Fairtrade Deutschland zum HREDD Support Fund mit Zielen, Teilnahmevoraussetzungen und Bewerbungsablauf: HREDD-Förderfonds | Fairtrade Deutschland
- Meldung des Forum Fairer Handel: Der Fonds unterstützt Fair-Handels-Unternehmen und Produzent*innen im Globalen Süden bei der Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten: Neuer HREDD-Fonds gestartet
