Von Wissen zu Credits: Klima-smarte Baumwollproduktion skalieren
Der Marktzuwachs von Carbon Credits eröffnet drei Chancen: zusätzliche Einnahmen für Kleinbäuer*innen, handelbare Zertifikate zum Ausgleich von CO2-Emissionen und die Skalierung von Plattformen und Infrastruktur, die diese Zertifikate bereitstellen. Für Investor*innen birgt dies sowohl soziale als auch strategische Renditen.
Vom Risiko zur Rendite: De-risking im Agrar-Lebensmittelsektor
Der Agrar- und Ernährungssektor bietet ein immenses Potential für nachhaltiges Wirken; er ist jedoch zugleich – aufgrund der volatilen Klima- und Marktbedingungen – eine der risikoreichsten Anlageklassen. Während Unsicherheit den Kapitalfluss hemmen kann, gewinnen Projekte mit großem Potenzial an quantifizierbaren Daten und Methoden zur wirtschaftlichen Erfassung und Validierung in der Entwicklungszusammenarbeit zunehmend an Bedeutung.
Angetrieben durch den Bedarf an einem präzisen und effizienten Ressourceneinsatz, setzen Entwicklungsagenturen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH auf datenstarke Innovationen, die als risikomindernder „Puffer" für privates Kapital dienen. Denn durch den Einsatz quantifizierbarer Daten und Prognoseinstrumente, verwandeln sie risikoreiche landwirtschaftliche Projekte in validierte, skalierbare Vermögenswerte.
Diese Reihe präsentiert eine kuratierte Auswahl dieser risikoreduzierten Möglichkeiten, die vom Fonds zur Förderung von Innovationen in der Landwirtschaft (i4Ag) im Rahmen der Sustainable Agricultural Supply Chains Initiative (SASI) umgesetzt, und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert werden.
Eine Einladung an Investor*innen

Die globale Textilbranche steht unter dem akuten Druck, die Einhaltung von Vorschriften in der Lieferkette sicherzustellen und die Reduktion von CO2-Emissionen in der Produktion voranzutreiben. Dieser Druck treibt den globalen Markt für Emissionszertifikate an. Dieser Markt (CO₂-Kompensation/Emissionszertifikate) wird voraussichtlich von 414,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 1.602,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028 wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von rund 31,0 %1 entspricht. Das Wachstum bei Emissionszertifikaten eröffnet gleich drei Chancen: (1) zusätzliche Einnahmen für Kleinbäuer*innen, (2) handelbare Zertifikate für Käufer*innen zum Ausgleich von CO2-Emissionen und (3) Wachstum der Plattformen und der Infrastruktur, die diese Zertifikate bereitstellen.
Gleichzeitig können diese Akteur*innen eine nachhaltige Bodengesundheit und mehr Fairness im Baumwollhandel unterstützen: Der Fonds zur Förderung von Innovationen in der Landwirtschaft (i4Ag) fördert eine Innovation, die digitale Infrastruktur mit der Schaffung von Vermögenswerten vor Ort vereint, um diesen Anspruch zu untermauern. Im Rahmen dessen entwickelt das Softwareentwicklungsunternehmen bizpando AG derzeit eine Plattform zur Dokumentation von Entkarbonisierung, um speziell für den Baumwollmarkt Emissionszertifikate zu generieren. Während das International Cotton Advisory Committee (ICAC) das Projekt in technischer Hinsicht begleitet, hat sich die Aid by Trade Foundation (Cotton made in Africa initiative, CmiA) dem Projekt angeschlossen, um den Einsatz von Biokohle auszuweiten und damit klimafreundliche Lösungen zu fördern – die dann wiederum in nachhaltige Möglichkeiten für CmiA-zertifizierte Landwirt*innen in Kamerun umgesetzt werden. Gleichzeitig treibt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH die Produktion von Biokohle voran. Biokohle ist mit organischem Dünger angereichert und dient der Verbesserung der Bodenqualität sowie der nachhaltigen Steigerung der Erträge. Damit schafft sie die Grundlage für den Verkauf der carbon currency. Um diese Innovation zu skalieren, werden weitere Investitionspartnerschaften gesucht.
Einstiegspunkt für Investor*innen
Die Compliance-Plattform wurde von Carbon Standard International zertifiziert und ist betriebsbereit. Die nachhaltige landwirtschaftliche Praxis zeigt vielversprechende Ergebnisse (durchschnittliche Ertragssteigerung von 118 % auf Versuchsflächen). Was nun fehlt, sind Investitionspartner*innen für die Umsetzung der entsprechenden Infrastruktur (digitale Verifizierung und Bezahlung) sowie die Skalierung der Produktion von Biokohle durch Trainings.

„Biokohle ist der große Bruder von organischem Dünger. (…) Mit anderen Worten: Die Kapseln von dem gedüngten Feld wogen 4,5 Gramm. Als ich dann auf das Feld ging, auf dem ich Biokohle ausgebracht hatte, stellte ich fest, dass sie 8,2 Gramm wogen. Fast doppelt so viel! Als ich die 100 m² in Hektar umgerechnet habe, ergab das 3,2 Tonnen pro Hektar.“
Andoula Fanglo, Baumwoll-Farmer in Nordkamerun
Die Infrastruktur-Lücke (CapEx)
Damit Emissionszertifikate ab 2026 auf dem freiwilligen Zertifikatemarkt (Voluntary Carbon Market, VCM) gehandelt werden können, ist die Einrichtung eines digitalisierten Überwachungs-, Berichts- und Verifizierungssystems Voraussetzung. Dazu gehört die Vermessung der Anbauflächen mit GPS-Daten, die fotografische Dokumentation der Baumwollproduktion und die Registrierung der Baumwollernte auf der Plattform. Darüber hinaus wurden unabhängige zertifizierte Prüfstellen eingesetzt, um das digitale System zu kontrollieren. Diese Schritte würden die derzeit geplante Zertifizierung von Carbon Standards International nach dem Global Artisan C-Sink Standard ermöglichen.
Um sicherzustellen, dass die Produzent*innen direkt durch den Verkauf von Emissionszertifikaten bezahlt werden, muss die Plattform mit dem im jeweiligen Land vorherrschenden mobilen Zahlungssystem verbunden sein – also dem digitalen Zahlungssystem, das ausdrücklich ohne Zwischenhändler*innen funktioniert. Die Umsetzung dieser Infrastruktur kann mit einer Investition von 0,75 Millionen Euro realisiert werden.
Skalierung und Kostenrechnung (OpEx)
Damit die Plattform für den Handel mit möglichst vielen Zertifikaten attraktiv ist, ist eine effiziente Verbreitung von Wissen zur Herstellung von Biokohle aus Baumwollstängeln und damit die Bindung von Kohlenstoff im Boden und die Einsparung von CO₂-Emissionen erforderlich. Als erfahrene Akteurin in der internationalen Zusammenarbeit setzt die GIZ auf ein Kaskadensystem, in dem derzeit mehr als 60 Berater*innen die Schulungen an 3.000 CmiA-zertifizierte führende Landwirt*innen weitergeben. Bis April 2027 sollen so insgesamt rund 45.000 Kleinbäuer*innen in Kamerun erreicht werden. Für eine langfristige Einrichtung wird der Prozess mit der nationalen Baumwollgesellschaft SODECOTON und anderen nationalen Beratungssystemen institutionell verankert. Die Kosten für diesen Wissenstransfer werden derzeit auf 25 Euro pro geschulter Person geschätzt. Diese Rechnung umfasst sowohl Personal- als auch Materialkosten, beispielsweise für IT- oder Schulungsmaterialien.
Das Investitionspotenzial
Der Erfolg des Projekts wird anhand höherer und stabilerer Erträge, der Bindung von Kohlenstoff im Boden (Potenzial von 3 t CO₂-Äquivalent pro Hektar und Jahr) und dauerhaft steigender Einnahmen gemessen – durch höhere Ernten, aber auch durch die Monetarisierung von CO₂-Zertifikaten.
Erste Berechnungen aus Kamerun zeigen, dass 1.000 Baumwollfarmer*innen eine durchschnittliche Anbaufläche von etwa 1 Hektar haben. Bei einem Potenzial von etwa 3 t CO₂-Äquivalenten pro Hektar und Jahr ergibt sich daraus ein geschätzter Kompensationseffekt von etwa 3.000 t CO₂-Äquivalenten pro Jahr. Könnten die GIZ und ihre Partner*innen bis 2027 45.000 CmiA-verifizierte Kleinbetriebe erreichen, würde das einer Gesamtanbaufläche von rund 45.000 Hektar entsprechen. Unter derselben Potenzialannahme könnten jährlich rund 135.000 Tonnen CO₂-Äquivalente kompensiert werden.
Sobald nach der zweiten Baumwollkampagne ausreichend Daten und Lernerfahrungen vorliegen, kann das Modell jederzeit auf andere Länder des Globalen Südens ausgeweitet werden. Nach Angaben des International Cotton Advisory Committee (ICAC) könnten in Ost-, Süd- und Nordafrika rund 1.956.524 weitere Baumwollproduzent*innen und in West- und Zentralafrika weitere 957.597 erreicht werden.
Diese Innovation bietet eine Kombination aus bewährter landwirtschaftlicher Wirkung und digitaler Skalierbarkeit. Derzeit suchen wir Partner*innen, die uns mit 1 Million Euro für Infrastruktur und Schulungen unterstützen, die für die Skalierung dieser Innovation erforderlich sind. Für Investor*innen wird dieses Kapital sowohl soziale als auch strategische Renditen bringen:
- Skalierung von Emissionszertifikaten: Die fertiggestellte Infrastruktur ermöglicht die Verifizierung von ~135.000 Tonnen CO₂-Äquivalent-Zertifikaten pro Jahr (basierend auf dem Ziel für 2027 von 45.000 Hektar).
- Verbesserung der Einnahmen für Landwirt*innen: Pilotdaten zeigen, dass die Methodik eine Ertragssteigerung von 118 % für Landwirt*innen ermöglicht und somit ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit verdoppelt.
- Strategischer Zugang für Käufer*innen: Partner*innen erhalten den Status eines „First Movers“ in einer vollständig digitalisierten, compliance-fähigen Lieferkette, noch bevor die globalen Vorschriften verschärft werden.
Sie haben Interesse? Weitere Informationen zu Kooperationsmöglichkeiten finden Sie hier: Kooperationen – SASI
Oder schreiben Sie uns: sasi-businessdevelopment@giz.de
Weitere Informationen zum Projekt, zur Herstellung und zur Funktionsweise von mit organischem Dünger angereicherter Biokohle finden Sie hier: Climate Resilience of Smallholder Cotton Farmers
Das Projekt in Kamerun wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Auftrag gegeben und finanziert. Es ist Teil des Fonds zur Förderung von Innovationen im Agrar- und Ernährungssektor (i4Ag) und wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und ihren Partner*innen ICAC, CIRAD und SODECOTON durchgeführt.
Infobox
SDGs:
- SDG 1 (Zusätzliches Einkommen) – Produktivität, Einkommen der Landwirt*innen.
- SDG 2 (Kein Hunger) – Produktivität, Einkommen der Landwirt*innen.
- SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit) – Arbeitsbedingungen der Ladnwirt*innen.
- SDG 13 (Klimaschutz) – Kohlenstoffbindung, reduzierte Verbrennung.
- SDG 15 (Leben an Land) – Bodengesundheit, Biodiversität.
Wertschöpfungskette: Baumwolle, Emissionszertifikate
Aktuelle Lage: Nordkamerun
Potenzielle Lage: Nord-, Süd- und Ostafrika
Lebenszyklusphase: Wachstumsphase
Partnerschaften bei der Umsetzung:
- SODECOTON, Skalierungs- und Nachfragepartnerschaft – Halböffentliches Baumwollunternehmen
- IRAD, Innovations- und Skalierungspartnerschaft – Lokale landwirtschaftliche Forschungsorganisation
- CIRAD, Innovationspartner – Internationale Forschungsorganisation
- ICAC, Innovationspartnerschaft – International Cotton Advisory Committee
- BIZPANDO, Skalierungspartner – Entwicklung einer Plattform für Emissionszertifikate
- Aid by Trade Foundation, Skalierungs- und Nachfragepartnerschaft – CmiA-Normungsorganisation
Durchführende Organisation: Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Im Auftrag von: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Programm: Fonds zur Förderung von Innovationen in der Landwirtschaft (i4Ag)
