03. März 2026

Stärkung von Dialog und Verantwortung: Erkenntnisse der Stakeholder in Kolumbien

Am 3. März 2026 kamen zentrale Akteure der Bananenlieferkette in Medellín, Kolumbien, zusammen, um die Fortschritte auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen in dem Land zu reflektieren und Prioritäten für die nächste Phase festzulegen. Der Workshop markierte den Übergang von der Projektumsetzung hin zur nachhaltigen Implementierung relevanter Aktivitäten.

Die Teilnehmenden – darunter Produzenten, Exporteure, Branchenverbände, internationale Organisationen sowie Kaufland als Vertreterin der deutschen Einzelhandelsarbeitsgruppe – stellten fest, dass der durch das Projekt „Towards Living Wages in the Banana Sector“ angestoßene Prozess ein hohes Maß an Reife erreicht hat. Dies zeigt sich insbesondere in einer stärkeren Zusammenarbeit, gesammelten Erfahrungen sowie einer größeren inhaltlichen Ausrichtung zwischen den Akteuren im Zusammenhang mit existenzsichernden Löhnen. 

Ein zentrales Ergebnis sei der mittlerweile etablierte Dialog mit dem Einzelhandel, der zu einem besseren Verständnis der Produktionsrealitäten geführt und engere Handelsbeziehungen ermöglicht hat. Diese Errungenschaften gilt es nun in Wert zu setzen; daher haben die Teilnehmenden gemeinsam diskutiert, wie die erzielten Fortschritte langfristig gesichert und weiter genutzt werden können – insbesondere über das Projektende hinaus. 

Dank der Projektaktivitäten wurden Produzentinnen und Produzenten darin gestärkt, die Qualität der über die IDH Salary erhobenen Lohndaten weiter zu verbessern und damit mehr Transparenz in die Zahlung von Löhnen zu bringen, so das einhellige Feedback im Workshop. 

Die Workshop-Teilnehmenden gaben gleichzeitig zu bedenken, dass auch weiterhin Herausforderungen bestehen: Insbesondere wurde der Bedarf an einem standardisierten Verifizierungsinstrument betont, um nicht zuletzt den verschiedenen Anforderungen an die Produzenten Herr zu werden. Auch besteht weiterhin Bedarf an einer stärkeren Harmonisierung der Datenerhebungsprozesse, um Konsistenz und Vergleichbarkeit sicherzustellen. Die Relevanz eines risikobasierten Ansatzes bei der Erhebung und Verifizierung von Lohndaten wurde im Workshop betont. Damit würde bestehenden Mechanismen wie Tarifverträgen, nationalen Gesetzgebungen und Arbeitsinspektionssystemen Rechnung getragen. Prämienzahlungen, so genannte „Voluntary Contributions“ wurden als wichtiger Mechanismus identifiziert. Allerdings unterstrichen die Teilnehmenden, dass ein solches System nur eine vorübergehende Lösung sein könne und langfristig stabilere Preissysteme etabliert werden müssen. 

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Die Kostenunterschiede zwischen den verschiedenen Erzeugerländern wurden auch in diesem Workshop als zentrales Thema benannt. Die Teilnehmenden des Workshops befürchten potenzielle Wettbewerbsnachteile und eine mögliche Diskriminierung nach Herkunft, der in die EU verkauften, Bananen. Diese Befürchtungen wurden bereits im Workshop aus der Welt geschafft. 

Eine zentrale Forderung ist, dass Selbstverpflichtungen nicht im Leeren enden, sondern in konkreten Maßnahmen aufgehen. Dafür seien eine stärkere Verzahnung von Nachhaltigkeitszielen mit kommerziellen Entscheidungen, eine intensivere Koordination entlang der Wertschöpfungskette sowie eine belastbarere Wirkungsmessung notwendig. 

So müssen die Arbeiterinnen und Arbeiter direkt erreicht werden, wenn Lohnlücken monetär geschlossen werden. Gleichzeitig betonten die Teilnehmenden, dass die effektivere Kommunikation von Ergebnissen entscheidend sei, um Wirkung und Glaubwürdigkeit weiter zu stärken.

Mit Blick auf die Zukunft wurde diskutiert, wie die erzielten Fortschritte weitergeführt und langfristig gesichert werden können. Dazu gehören eine klare Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten, die weitere Stärkung bestehender Dialogstrukturen sowie eine vertiefte Einbindung des öffentlichen Sektors, um Fortschritte in nationale Systeme zu verankern. 

In diesem Zusammenhang wurde das World Banana Forum erneut als zentrale globale Plattform für den Dialog zu existenzsichernden Löhnen im Bananensektor bestätigt. Gleichzeitig äußerten die Stakeholder ein starkes Interesse daran, diesen Rahmen durch kontinuierlichere und enger abgestimmte Austauschformate zu ergänzen, um Umsetzung und Nachverfolgung auf regionaler und nationaler Ebene zu unterstützen. 

Der Workshop endete mit einer klaren Botschaft: Fortschritte in Richtung existenzsichernder Löhne können nur durch einen fortgesetzten und gestärkten Dialog entlang der gesamten Lieferkette gesichert werden. Dabei ist die gemeinsame Verantwortung entscheidend; sprich alle Akteure sind gleichermaßen gefordert, sich aktiv weiterhin an der Etablierung von Living Wages im kolumbianischen Bananensektor zu beteiligen. 

Für die Zukunft definierten die Teilnehmenden drei zentrale Handlungsfelder: Erstens sollte eine institutionelle Struktur identifiziert werden, die die Rolle der GIZ in der Moderation und Vermittlung des Dialogs mit dem Einzelhandel übernimmt und so Kontinuität und Verbindlichkeit sicherstellt. Zweitens sollte ein schlankes, aber robustes System zur Wirkungsmessung etabliert werden, bei dem zentrale Akteure gemeinsam Verantwortung für die Nachverfolgung konkreter Fortschritte – insbesondere bei der Schließung von Lohnlücken – übernehmen. Drittens sollte die Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) fortgeführt werden, um die Kapazitäten für sozialen Dialog weiter zu stärken. 

Gemeinsam bieten diese Schritte einen klaren Rahmen, um die bisherigen Fortschritte zu konsolidieren und die langfristige Skalierbarkeit von Ansätzen zu existenzsichernden Löhnen im Bananensektor zu unterstützen.