30. März 2026

Living Income Gap in Kamerun mit Biokohle schließen

Wie können Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Kamerun ein existenzsicherndes Einkommen erreichen? Auf der 38. Internationalen Bremer Baumwollkonferenz zeigte das vom Fonds zur Förderung von Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (i4Ag) umgesetzte Projekt Nachhaltige Baumwolle – Innovationen zur Stärkung der Klimaresilienz, wie Biokohle als skalierbare Lösung Einkommen steigern und gleichzeitig zur Klimaresilienz beitragen kann.

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Die 38. Internationale Bremer Baumwollkonferenz (25.–27. März 2026) bot eine zentrale Plattform für den Austausch zu aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen im globalen Baumwollsektor. In diesem Rahmen wurden die Projektergebnisse in zwei zentralen Programmpunkten vorgestellt. Im Beitrag „Baumwollanbau in den Regionen“ präsentierte Dr. Keshav Kranthi vom International Cotton Advisory Committee (ICAC) zentrale Erkenntnisse. Vertiefend wurden die Ergebnisse in einem Fachseminar zum Thema Living Income in Kamerun diskutiert, in dem praxisnahe Ansätze und konkrete Lösungswege im Mittelpunkt standen.

Das Projekt wird gemeinsam mit ICAC, dem Centre de coopération Internationale en Recherche Agronomique pour le Développement (CIRAD), dem kamerunischen Forschungsinstitut IRAD sowie dem Baumwollunternehmen SODECOTON umgesetzt – eine Partnerschaft, die internationale Expertise mit lokaler Verankerung verbindet.

Angereicherte Biokohle wird aus Baumwollstängeln hergestellt – landwirtschaftlichen Reststoffen, die bislang häufig auf den Feldern verbrannt werden. Dazu werden die Stängel unter kontrollierten Bedingungen und begrenzter Sauerstoffzufuhr erhitzt, wodurch ein poröses Material entsteht. Dieses verbessert die Bodengesundheit und erhöht die Fähigkeit des Bodens, Wasser und Nährstoffe zu speichern. In Kombination mit organischen Zusätzen wie Bokashi oder Jeevamrit entsteht so ein wirksames Düngemittel, das die Abhängigkeit von mineralischen Betriebsmitteln reduziert.

Im Baumwollsektor Nordkameruns liegt das Einkommen vieler Haushalte weiterhin deutlich unter einem existenzsichernden Niveau. Im Rahmen des Seminars, moderiert von Roger Peltzer (Pro Smallholder Farmers Africa e.V.), wurde deutlich, wie groß die Herausforderung ist: Laut einer von SODECOTON vorgestellten Studie beträgt die Living Income Gap im Durchschnitt rund 46 %.

Die vorgestellten Ergebnisse zeigen jedoch auch das Potenzial der Biokohle: Ertragssteigerungen von durchschnittlich etwa 40 %, bei 12 % der Produzent*innen sogar über 100 %, sowie zusätzliche Einkommen von über 300 EUR pro Hektar und Jahr sind möglich. Gleichzeitig lassen sich die Produktionskosten – insbesondere für mineralische Dünger – um rund 100 EUR pro Hektar und Jahr senken. Gerade vor dem Hintergrund steigender Düngemittelpreise ist dies ein entscheidender Vorteil.

Die Nutzung von Baumwollresten als Ausgangsmaterial schafft gleich mehrere Vorteile: Anstatt sie zu verbrennen, werden sie in den landwirtschaftlichen Kreislauf zurückgeführt. Das reduziert CO₂-Emissionen, verbessert die Ressourceneffizienz und stärkt die wirtschaftliche Basis der Betriebe. Gleichzeitig trägt die Biokohle zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung im Boden bei und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Schwankungen.

In Kombination mit neuen Finanzierungsansätzen ergeben sich zusätzliche Perspektiven: Gemeinsam mit bizpando AG wird daran gearbeitet, über Carbon Credits weitere Einkommensquellen zu erschließen und so die wirtschaftlichen Effekte für Produzent*innen zu verstärken.

Die Konferenz machte deutlich: Innovative, praxistaugliche Lösungen zur Verbesserung von Einkommen und Klimaresilienz sind vorhanden. Nun gilt es, diese gezielt zu verbreiten, in bestehende Strukturen zu integrieren und entlang der Wertschöpfungskette zu skalieren – in Kamerun und darüber hinaus.

Weitere Informationen zu unserem Biochar-Projekt finden Sie in unseren zugehörigen bisherigen Artikeln:

Was früher verbrannt wurde, schützt heute vor Dürre und sichert Einkommen – SASI

Von Wissen zu Credits: Klima-smarte Baumwollproduktion skalieren – SASI

Außerdem liefert unser Projekt-Video einen guten Einblick:

Coton et changement climatique: le pari durable du Biochar au Cameroun