29. Juli 2026

FIT for FAIR: Erfahrungen aus sechs Ländern, die weiterwirken

Nach mehr als zwei Jahren Zusammenarbeit in Kolumbien, Côte d’Ivoire, Äthiopien, Ruanda, Thailand und Kambodscha gehen die ersten sechs Länderprozesse von FIT for FAIR zu Ende. Doch die entstandenen Partnerschaften, Erfahrungen und die Zusammenarbeit wirken weiter – und bilden eine wichtige Grundlage für die nächste Phase des Projekts.

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FIT for FAIR unterstützt Partnerländer dabei, förderliche politische und rechtliche Rahmenbedingungen für nachhaltige und entwaldungsfreie Wertschöpfungsketten zu schaffen und relevante Akteure bei der Vorbereitung auf europäische Sorgfaltspflichten zu unterstützen - darunter die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) und die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD). 

Gemeinsam mit nationalen Partnern brachte das Projekt staatliche Institutionen, Privatwirtschaft, Produzentenorganisationen, Zivilgesellschaft und weitere Akteure zusammen. Nationale Rahmenbedingungen wurden analysiert, Herausforderungen und Chancen identifiziert und Handlungsempfehlungen und Lösungsansätze gemeinsam entwickelt. 

Dabei wurde eines besonders deutlich: Es gibt nicht den einen Weg, Sorgfaltspflichten in unterschiedlichen nationalen Kontexten zu operationalisieren. 

Die sechs Partnerländer starteten mit unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen, institutionellen Strukturen, Agrarsektoren und bestehenden Systemen. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Ansätze und Ergebnisse, die aus den Länderprozessen hervorgegangen sind. 

In Kolumbien beteiligten sich hunderte Akteure aus dem Kaffee-, Kakao- und Palmölsektor. Daraus entstanden unter anderem ein nationales Due-Diligence-Modell, eine Roadmap für 2025–2030 sowie Leitfäden, die Akteure bei der Umsetzung von Sorgfaltspflichten unterstützen sollen. Dabei wurde der Austausch zwischen kolumbianischen Lieferkettenakteuren und europäischen Unternehmen weiter vertieft. Gemeinsame Dialoge und Feldbesuche machten bereits bestehende gute Praktiken sichtbar und schufen neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen.  

In Côte d’Ivoire brachte ein nationaler Multi-Stakeholder-Prozess Akteure aus Regierung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Daraus gingen ein Bericht, politische Handlungsempfehlungen und eine nationale Roadmap hervor. Im Anschluss wurde eine Due Diligence Taskforce eingerichtet, die zentrale öffentliche und private Akteure zusammenbringt und die weitere Umsetzung unterstützt.

In Äthiopien kamen Ministerien, Kaffeekooperativen, Verbände, Exporteure, Zivilgesellschaft und internationale Partner in einer nationalen Taskforce zusammen. Status-quo- und Gap-Analysen bildeten die Grundlage für Empfehlungen zu Rückverfolgbarkeit und digitalen Lösungen, Umweltsorgfaltspflichten, institutioneller Koordination sowie Menschen- und Sozialrechten.

Bei Rückverfolgbarkeit geht es nicht nur darum, ein Produkt nachzuverfolgen. Es geht vor allem darum, Vertrauen in die Daten hinter dem Produkt zu schaffen.

Henok Alemayehu, Vulcan Digital Technologies, Äthiopien (Übersetzt aus dem Englischen)

In Ruanda führte ein partizipativer Prozess zu einer Analyse bestehender nationaler Rahmenbedingungen, einer Gap-Analyse, Policy Recommendations und einer National Roadmap für den Kaffeesektor. Die Roadmap definiert prioritäre Handlungsfelder, Rollen und Zeitpläne unter anderem für Legalität, Rückverfolgbarkeit, die Integration von Kleinbäuer*innen sowie menschenwürdige Arbeit.  

In Thailand wurden gemeinsam mit nationalen Akteuren politische Empfehlungen entwickelt und der Austausch zu institutioneller Koordination und Rückverfolgbarkeit gestärkt. Die Erfahrungen aus Thailand flossen zugleich in einen breiteren regionalen Austausch ein, der unterschiedliche Ansätze aus Südostasien und Äthiopien zusammenbrachte. 

In Kambodscha brachte ein Multi-Stakeholder-Prozess rund 80 Vertreter*innen aus Regierung, Privatwirtschaft, Produzentenorganisationen und weiteren Institutionen zusammen. Die Diskussionen zeigten, dass die Auseinandersetzung mit entwaldungsfreien und verantwortungsvollen Wertschöpfungsketten nicht nur im Kontext europäischer Anforderungen steht, sondern auch mit nationalen Zielen für nachhaltige Entwicklung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit verbunden werden kann. 

Wir müssen sicherstellen, dass unser Kautschuk entwaldungsfrei ist. […] Kambodscha hat die Chance zu zeigen, dass nachhaltige Produktion und Wettbewerbsfähigkeit im Export Hand in Hand gehen können.

H.E. Dr Sok Siphana, Senior Minister for Special Missions und Chairman des Trade Policy Advisory Board, Kambodscha (Übersetzt aus dem Englischen)

So unterschiedlich die Rahmenbedingungen und Lösungswege in den sechs Ländern sind, so deutlich zeigen sich auch gemeinsame Herausforderungen und Erkenntnisse, die über Ländergrenzen hinweg relevant sind. 

Die Erfahrungen mit der Operationalisierung von Sorgfaltspflichten zeigen über Länder und Regionen hinweg gemeinsame Herausforderungen und Lessons Learned. 

Technologie allein reicht nicht aus. Rückverfolgbarkeit hängt nicht nur von digitalen Plattformen ab. Ebenso wichtig sind klare institutionelle Zuständigkeiten, funktionierende Governance, interoperable Systeme sowie klare Regeln für Datenzugang, Datenschutz und Datennutzung. 

Inklusion muss von Anfang an mitgedacht werden. Kleinbäuerliche Produzent*innen sind zentral für viele der betrachteten Agrarlieferketten. Gleichzeitig können hohe Kosten, komplexe Technologien, eingeschränkter digitaler Zugang, Informalität und unterschiedliche Formen von Landbesitz und Landnutzung Hürden schaffen. 

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind das Fundament des gesamten Lieferketten-Ökosystems. Wir müssen Bewusstsein schaffen, einfache Instrumente bereitstellen und einen unkomplizierten Zugang ermöglichen, um Vertrauen aufzubauen und Teilhabe zu ermöglichen.

Dr. Theeraya Mayakul, Faculty of Engineering, Mahidol University (Übersetzt aus dem Englischen)

Die Erfahrungen zeigen deshalb, wie wichtig zugängliche und kontextspezifische Lösungen sind, die ländliche Realitäten berücksichtigen und vermeiden, kleinere oder potenziell vulnerable Akteure zusätzlich zu benachteiligen.  

Der Austausch in Lateinamerika verdeutlichte, dass Informalität häufig mit strukturellen Faktoren wie niedrigen Einkommen, familienbasierter Produktion und saisonaler Arbeit verbunden ist. Differenzierte und inklusive Ansätze können dazu beitragen, bestehende Ungleichheiten nicht zu verstärken und vulnerable Akteure nicht vom Zugang zu internationalen Märkten auszuschließen.  

Eine zentrale Erkenntnis lautet: Es gibt keine Blaupause. 

Einige Länder setzen stärker auf staatlich koordinierte Ansätze, andere bauen auf kooperativen Strukturen, politischen und rechtlichen Prozessen oder technologischen Lösungen auf. Gerade diese Vielfalt macht den Austausch zwischen Ländern wertvoll.  

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Im Laufe von FIT for FAIR wurde der Austausch über Ländergrenzen hinweg zu einem wichtigen Bestandteil des Projekts. 

Das International Trade Centre (ITC) konzipierte und begleitete länderübergreifende Online-Austauschformate, die Erfahrungen aus verschiedenen Ländern und Regionen miteinander verbanden. 

Ein regionaler Austausch brachte beispielsweise Kolumbien mit Costa Rica, Ecuador und El Salvador zusammen. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen zu Entwaldungsfreiheit, Menschenrechten, Informalität, Rückverfolgbarkeit, Daten-Governance und der Einbindung kleinerer Produzent*innen.  

Ein weiterer Austausch verband Thailand, Indonesien, Malaysia, Vietnam und Äthiopien. Unterschiedliche Erfahrungen mit Traceability-Systemen, Governance und der Einbindung von Kleinbäuer*innen zeigten, wie Ansätze aus einem Land Impulse für andere geben können. 

Bei Rückverfolgbarkeit geht es nicht nur um Technologie. Wichtig sind auch Governance, Koordination, Vertrauensbildung und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren.

Mathieu Lamolle, Senior Advisor und EUDR Focal Point, International Trade Centre (ITC) (Übersetzt aus dem Englischen)

Länder müssen nicht bei null anfangen. Erfahrungen und Lösungsansätze aus anderen Kontexten können wertvolle Anregungen liefern, wenn sie an die jeweiligen nationalen Gegebenheiten angepasst werden. Die Partnerländer brachten ihre eigenen Erfahrungen, bestehenden Systeme und Lösungsansätze in die Austauschformate ein. Im Juni fand das abschließende Cross-Country Learnings Webinar statt, das die Erfahrungen aus den sechs FIT-for-FAIR-Ländern und den regionalen Austauschformaten zusammenführte.  

Die Ergebnisse der ersten sechs Länderprozesse wären ohne die Partner, Institutionen und Stakeholder nicht möglich gewesen, die FIT for FAIR in den jeweiligen nationalen Kontexten verankert und mitgestaltet haben. Gemeinsam wurden Ansätze entwickelt, um Akteure bei der Operationalisierung von Sorgfaltspflichten für entwaldungsfreie und nachhaltige Lieferketten zu unterstützen. 

Unser Dank gilt dem Conseil National des Exportations (CNE) in Côte d’Ivoire, der Ethiopian Coffee and Tea Authority (ECTA) in Äthiopien, Confecámaras und Preferred by Nature in Kolumbien, EuroCham Cambodia, dem United Nations Development Programme (UNDP) in Zusammenarbeit mit dem National Agricultural Export Development Board (NAEB) in Ruanda sowie dem Thailand Environment Institute (TEI) in Thailand. 

Gemeinsam mit staatlichen Institutionen, Produzentenorganisationen, Vertreter*innen der Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft haben sie relevante Akteure zusammengebracht und die Grundlage dafür geschaffen, dass Analysen, Empfehlungen und nächste Schritte auf bestehenden Strukturen aufbauen und nationale Realitäten berücksichtigen.

Die vergangenen zwei Jahre zeigen den Wert national verankerter Partnerschaften, inklusiver Multi-Stakeholder-Prozesse und des direkten Austauschs zwischen Ländern.  

Gleichzeitig ist ein Erfahrungsschatz entstanden, auf dem die nächste Phase von FIT for FAIR aufbauen kann – von der Operationalisierung von Sorgfaltspflichten und der Entwicklung von Policy Recommendations und Roadmaps über institutionelle Koordination bis hin zu Lösungsansätzen für Rückverfolgbarkeit, Daten-Governance und Inklusion. 

Neue Partnerländer können auf diesen Erfahrungen und Lessons Learned aufbauen. Gleichzeitig werden sie ihre eigenen Perspektiven, Erfahrungen und Lösungsansätze einbringen und damit neue Impulse für das gemeinsame Lernen schaffen. 

Die ersten sechs Länderprozesse gehen zu Ende – die Zusammenarbeit geht weiter. Mit den gewonnenen Erfahrungen und Lessons Learned startet FIT for FAIR nun in die nächste Phase. Stay tuned!