DryCard™ hilft Reisbauern und -bäuerinnen jetzt dabei, Nachernteverluste zu reduzieren
Die DryCard™ ist ein kostengünstiges Hilfsmittel, mit dem Landwirt*innen überprüfen können, ob Lebensmittel trocken genug für eine sichere Lagerung sind. Mit Unterstützung des Fonds zur Förderung von Innovationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (i4Ag) und weiterer Partner wurde die DryCard™ nun für den Einsatz mit Reis angepasst. Dadurch können Reisbauern und -bäuerinnen Nachernteverluste reduzieren, die Lebensmittelsicherheit verbessern und ihr Einkommen sichern.
Vier Projekte – Viele Perspektiven
1. Benin – Ökologischer Wandel von unten
In Benin unterstützte das von Pesticide Action Network UK (PAN UK) und lokalen Partnern geleitete Projekt Bäuerinnen und Bauern beim Übergang zum ökologischen Baumwollanbau.
„Für eine gute Ernte ist es wichtig, die Pflanzenreste im Boden einzuarbeiten – sie werden zu Dünger. Unsere Böden zeigen, dass wir organisch arbeiten," erzählt Rosaline Okou, Baumwollproduzentin aus Süd-Benin.
Die Initiative förderte Austausch unter Produzent*innen und legte den Grundstein für eine wachsende Bio-Baumwollbewegung im Land.
2. Tansania, Sambia und Côte d’Ivoire – Stimmen aus dem Projekt Cotton4Impact
Unter der Leitung von Paul Reinhart AG wurden gemeinsam mit Alliance Ginneries Ltd (Tansania und Sambia) und Ivoire Coton neue Wege erprobt, um Wissen, Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette zu stärken. Mehr als 1.200 Produzent*innen wurden befragt, um zu verstehen, was sich verändert hat.
„Dank Ivoire Coton konnte ich ein Haus bauen und meine Kinder zur Schule schicken,“ berichtet ein Landwirt aus Côte d’Ivoire.
„Durch die Beratung und höhere Preise konnte ich eine eigene Farm kaufen,“ sagt eine Bäuerin aus Tansania.
Neun von zehn Befragten gaben an, dass sich ihre Lebensqualität verbessert hat – durch höhere Preise, bessere Anbaumethoden oder geringere Produktionskosten. Die Befragung zeigte aber auch strukturelle Hürden: hohe Kosten für Betriebsmittel, verspätete Lieferungen, fehlende Finanzierungsmöglichkeiten. Die Produzent*innen machten klar, dass echte Nachhaltigkeit nur durch verlässliche Partnerschaften erreichbar ist. Cotton4Impact etablierte eine digitale Austausch- und Lernplattform, um die Kommunikation zwischen Produzent*innen und Entkernungsbetrieben zu verbessern.
3. Côte d’Ivoire, Mosambik und Sambia – CAR-iSMa und die Kraft gemeinsamer Innovation
Das Projekt CAR-iSMa (Climate Adaptation and Resilience in Sustainable Management of Cotton) wurde von der Aid by Trade Foundation mit Partnerunternehmen in drei Ländern umgesetzt. Ziel: Bodenfruchtbarkeit stärken, Biodiversität zu fördern und Wissen regional vernetzen.
„Ich wollte zeigen, dass man bessere Erträge erzielen kann, wenn man den Boden gut behandelt,“ sagt João Aquibo, Baumwollproduzent in der Niassa-Region (Mosambik).
João testete Kompost und Biochar, experimentierte mit Mischkulturen und erreichte doppelt so hohe Erträge wie zuvor. Seine Erfahrungen teilt er mit Nachbar*innen – ein Beispiel dafür, wie lokale Innovationskraft Veränderung antreibt. Im Projekt tauschten Teams aus Mosambik und Sambia ihr Wissen aus und entwickelten Lernmaterialien.
„Solche Begegnungen schaffen Vertrauen und zeigen, dass gleichberechtigter Wissensaustausch die Grundlage für Resilienz ist,“ erklärt eine Trainerin aus Sambia.
4. Côte d’Ivoire, Togo und Tschad – Kooperation für mehr Resilienz
Gemeinsam mit Solidaridad West Africa und OlamAgri arbeiteten Landwirt*innen und Kooperativen daran, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Klima- und Marktschwankungen zu stärken. Dazu gehörten Schulungen zu nachhaltiger Landwirtschaft sowie Sensibilisierung für Umwelt- und Sozialthemen wie Kinderarbeit. Das Projekt unterstützte zudem die Gründung von Spar- und Kreditgruppen, um den Zugang zu Finanzierungen zu verbessern und alternative Einkommensquellen jenseits des Baumwollanbaus zu fördern.
Für eine gute Ernte ist es wichtig, die Pflanzenreste im Boden einzuarbeiten – sie werden zu Dünger. Unsere Böden zeigen, dass wir organisch arbeiten
Ergebnisse und Lernprozesse
Insgesamt erreichten die vier Projekte über 250.000 Baumwollproduzent*innen.
- Finanzielle Selbstorganisation: In über 500 Village Savings and Loan Associations (VSLAs) organisierten sich vor allem Frauen, um Kredite zu vergeben und Investitionen selbst zu steuern.
- Agroökologisches Wissen: In Farmer Field Schools lernten Produzent*innen voneinander – durch Versuchsfelder, Austausch und praxisnahe Schulungen.
- Bodengesundheit: Kompost, Biochar, Fruchtfolgen und regenerative Methoden reduzierten den Einsatz chemischer Düngemittel und stärkten die lokale Ernährungssouveränität.
- Digitale Transparenz: Mobile Apps zur Rückverfolgbarkeit machten Lieferketten transparenter und verbesserten den Informationsfluss zu den Produzent*innen.
Perspektiven für die Zukunft
In Benin läuft bereits eine zweite Phase der Bio-Baumwollförderung; das CAR-iSMa-Netzwerk teilt seine Materialien mit anderen Cotton made in Africa-Partnern; Cotton4Impact nutzt die gewonnenen Daten, um weitere Verbesserungen in der Lieferkette anzustoßen.
Schlussgedanke
Indem Produzent*innen, lokale Unternehmen und internationale Partner gemeinsam handeln, entsteht ein anderes Bild von Zusammenarbeit: weg von „Förderung“, hin zu Partnerschaft, Teilhabe und gegenseitigem Lernen.
Die Geschichten von Rosaline, João und Jennifer stehen stellvertretend für Tausende andere – sie zeigen, dass Wandel in der Baumwollproduktion dort beginnt, wo Stimmen gehört und Erfahrungen geteilt werden.
In vielen Teilen der Welt stehen Landwirt*innen und Händler*innen nach der Ernte vor einer großen Herausforderung: Sie müssen ihre Ernte vor Schimmelbefall schützen. Getreide, Bohnen, Nüsse und Trockenfrüchte mögen auf den ersten Blick trocken erscheinen, aber Restfeuchtigkeit kann ideale Bedingungen für Schimmelbildung schaffen. Dies führt nicht nur zum Verderben der Lebensmittel, sondern kann auch zur Bildung schädlicher Toxine führen, die ein ernstes Risiko für die Lebensmittelsicherheit und die Gesundheit der Konsument*innen darstellen.
Die DryCard™, eine einfache, aber wirkungsvolle Erfindung der University of California, Davis, bietet eine praktische Lösung für dieses Problem. Sie ist kostengünstig und einfach zu bedienen und ermöglicht es Landwirt*innen, Händler*innen und Verarbeiter*innen festzustellen, ob ein Nahrungsmittel wirklich sicher gelagert werden kann. Die Karte enthält einen feuchtigkeitsempfindlichen Indikatorstreifen, der je nach Feuchtigkeitsgehalt seine Farbe ändert. Wenn der Streifen rosa wird, bedeutet dies, dass das Produkt noch zu feucht ist und Schimmelgefahr besteht. Wenn er blau wird, ist das Produkt trocken genug, um sicher gelagert zu werden. Zur Verwendung der Karte legt man einfach eine Probe des Produkts zusammen mit der DryCard™ in ein verschlossenes Glas oder einen Beutel, wartet 30 bis 60 Minuten und überprüft dann das Ergebnis.
DryCard™ jetzt auch für Reis kalibriert
Bislang konnte die DryCard™ nicht zur genauen Bestimmung des Feuchtigkeitsgehalts von Reis verwendet werden. Mit Unterstützung des i4Ag wurde die DryCard™ nun so angepasst, dass sie zuverlässige Messwerte für Reis liefert. Dank dieser Entwicklung können Reisbauern und -bäuerinnen in Ländern wie Ghana und Kenia die Karte nun einsetzen, um genau zu bestimmen, wann ihre Ernte sicher gelagert werden kann. Um die DryCard™ für die Verwendung mit Reis zu kalibrieren und zu validieren, wurden Reisproben von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in zwei agroökologischen Zonen in der Ashanti-Region in Ghana gesammelt. Diese Proben wurden dann bis zu einem bestimmten Feuchtigkeitsgehalt getrocknet und anschließend zur Kalibrierung der Farbskala der Karten für Reis verwendet.
Das Projekt, das gemeinsam mit dem Unternehmen Saving Grains 301 GmbH und lokalen Ausbildungsanbietern und Forschungseinrichtungen durchgeführt wird, bietet Landwirt*innen und Zwischenhändler*innen Schulungen zu verbesserten Praktiken im Nachernte-Management an. Dazu gehört die Verwendung von hermetischen Säcken, innovative Trocknungstechnologien und die Kontrolle des Feuchtigkeitsgehalts.
Da die DryCard™ kostengünstig, wiederverwendbar und leicht verständlich ist, ist sie besonders in ländlichen Gebieten nützlich, in denen der Zugang zu teuren elektronischen Feuchtigkeitsmessgeräten begrenzt ist. Sie ermöglicht Landwirt*innen und Händler*innen, fundierte Entscheidungen über die Lagerung zu treffen, wodurch Verluste nach der Ernte reduziert und sowohl die Lebensmittelqualität als auch die Lebensgrundlagen der Landwirt*innen geschützt werden.
Nun für den Einsatz mit Reis angepasst, ist die DryCard™ startklar, um in Ghana, Kenia und auf der ganzen Welt eine bedeutende Wirkung zu erzielen. Ihre Einfachheit, Erschwinglichkeit und Wirksamkeit machen sie zu einem eindrucksvollen Beispiel dafür, wie kleine Innovationen zu erheblichen Verbesserungen der landwirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit und Ernährungssicherheit führen können.
Dieses Projekt ist Teil der Sustainable Agricultural Supply Chains Initiative (SASI). Die SASI fördert grüne, faire und inklusive Agrarlieferketten. Gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft setzt sie Nachhaltigkeitshemen auf die Agenda und gestaltet den politischen Diskurs. Die Initiative wird von der GIZ im Auftrag des BMZ durchgeführt.