03. September 2026

Beyond Funding: Aliança da Soja

In Brasilien entwickelt sich die „Sustainable Soy Alliance“ zu einem von ihren Mitgliedern getragenen Bündnis für Transparenz, Finanzierung und eine widerstandsfähige Landwirtschaft im Cerrado. Das ist schwieriger, als es klingt, und wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint.

Multi-Stakeholder-Partnerschaften sind wertvoll, aber schwer am Leben zu erhalten. Sie bringen Unternehmen, Landwirte, öffentliche Akteure, die Zivilgesellschaft und fachliche Partner an einen Tisch, schaffen einen Raum für Dialoge und übersetzen Nachhaltigkeitsziele in die Praxis. Doch viele von ihnen stehen vor demselben Problem: Sobald die Projektfinanzierung ausläuft, finden keine Treffen mehr statt, die Koordination lässt nach und die Partnerschaft zerfällt.

Die „Sustainable Soy Alliance“ in Brasilien versucht, einen anderen Weg einzuschlagen.

Aus einem Seminar entwickelte sich ein regelmäßiger Dialog, der „Initiative für nachhaltige Soja-Dialoge im Itaqui-Korridor“ getauft wurde. Dieser führte schließlich zur Gründung einer breiter aufgestellten „Allianz zur Förderung einer nachhaltigen Sojaproduktion“. Die Namensänderung spiegelt eine größere Mitgliederzahl, eine breitere Agenda und eine stärkere Rolle in Debatten wider, die über einen einzelnen Korridor hinausreichen. Heute vereint die Allianz rund 70 Mitglieder aus der Soja-Lieferkette, darunter Unternehmen der Privatwirtschaft, Branchenverbände, zivilgesellschaftliche Akteure und technische Partner. Sie wird von einer Koordinierungsgruppe geleitet, der die Corredor Logística e Infraestrutura S.A. (CLI), der Round Table on Responsible Soy (RTRS), Imaflora und die GIZ angehören. Ein Exekutivsekretariat unterstützt die tägliche Arbeit. Die Allianz befasst sich mit Fragen, die weit über den Cerrado hinaus von Relevanz sind: regenerative, resiliente Landwirtschaft, Rückverfolgbarkeit, technische Unterstützung, Finanzierung und die Rolle traditioneller Gemeinschaften in Sojaanbaugebieten.

Porto do Itaqui ist ein großer Handelshafen, der den Itaqui-Korridor bedient und Soja, Mais, Düngemittel, Kraftstoffe, Gas, Aluminium und Zellstoff umschlägt. Er verbindet die Anbaugebiete des Cerrado mit den internationalen Märkten und ist der zentrale Exportknotenpunkt für Agrarprodukte aus Maranhão, Tocantins, Piauí und Teilen von Bahia (MATOPIBA). Aufgrund seiner bedeutenden Rolle beim Sojaexport steht er im Mittelpunkt der Arbeit der Allianz, sei es in Bezug auf Rückverfolgbarkeit, Finanzierung oder die praktische Steuerung der Lieferkette.

Im September 2025 fand das vierte Seminar für nachhaltige Sojaproduktion in Chapadinha im Bundesstaat Maranhão statt. Erzeuger aus dem brasilianischen Cerrado trafen sich zu Podiumsdiskussionen und einer Exkursion vor Ort. Zu den Hauptthemen gehörten Technologien der regenerativen Landwirtschaft, Finanzierungsmechanismen für Nachhaltigkeit sowie Transparenz in der Sojaproduktion. Die Veranstaltung mündete in einen gemeinsamen Brief, der an Regierungen, Erzeuger, Unternehmen und Dienstleister gerichtet war. Darin wurden Empfehlungen zu Umweltregulierung, regenerativen Praktiken, technischer Unterstützung, Rückverfolgbarkeit, Finanzierung sowie zur Unterstützung traditioneller Gemeinschaften, die in den Sojaanbaugebieten des Cerrado leben, dargelegt. Insgesamt empfiehlt der Brief den Ausbau der regenerativen Produktion, die Stärkung der Transparenz und der Einhaltung sozialer und ökologischer Standards sowie die Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln, die nachhaltige Praktiken belohnen.

Diese Partner unterschrieben die Erklärung:

  • ABIOVE - Associação Brasileira das Indústrias de Óleos Vegetais
  • Agrocomply - Consultoria e Soluções em Sustentabilidade
  • Amsel & Ara
  • CLI - Corredor Logística e Infraestrutura
  • CPI Global - Climate Policy Initiative
  • Fazenda Barbosa
  • Fazenda Pitombeira
  • FAU Agricultura e Meio Ambiente
  • GIZ - Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
  • IMAFLORA - Instituto de Manejo e Certificação Florestal e Agrícola
  • ProTerra Foundation
  • R5 - Agência de Inovação e Desenvolvimento do Cerrado Sul Maranhense
  • UFMA - Universidade Federal do Maranhão
  • Veros - Soluções em Sustentabilidade

Einige Monate später veranstaltete die Allianz in São Paulo die Veranstaltung „Coffee with Business Leaders“. Vertreter von Unternehmen, Finanzinstituten und Branchenverbänden diskutierten, wie die Plattform auf ihrem Weg zu größerer Unabhängigkeit gestärkt werden kann. Zu den Teilnehmern zählten unter anderem ABIOVE, ANEC, ADM Brazil, Syngenta, die Carrefour-Gruppe, Santander, BTG Pactual, Banco do Nordeste und Agrotools. Das Treffen war ein wichtiger Schritt hin zu einer stabileren Struktur für den Zyklus 2026–2027.

Entscheidend ist nun, wie es weitergeht. Im April 2026 begann CLI, die Koordination der Allianz finanziell zu unterstützen. So werden die institutionelle und finanzielle Grundlage der Plattform nach Ablauf der aktuellen Projektphase nicht mehr ausschließlich von der GIZ in Brasilien abhängig sein. Das ist von Bedeutung, da eine Partnerschaft erst dann wirklich an Glaubwürdigkeit gewinnt, wenn ihre Mitglieder genügend Nutzen darin sehen, um sie eigenständig weiterzuführen. Nicht, weil ein Geldgeber sie zur Teilnahme auffordert. Sondern weil die Plattform ihnen hilft, Probleme zu lösen, die sie allein nicht bewältigen können.

Dies hat vielfältige Mehrwerte für die beteiligten Akteure: Für Unternehmen ein besserer Dialog über Rückverfolgbarkeit, Finanzierung und Markterwartungen. Für Erzeuger Zugang zum Austausch über praktisches Wissen und Finanzierungsmöglichkeiten sowie eine stärkere Stimme in Nachhaltigkeitsdebatten. Für die Zivilgesellschaft und technische Partner ein Raum, in dem soziale und ökologische Belange bereits vor der endgültigen Entscheidungsfindung zur Sprache gebracht werden können. Für Banken ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Landwirte. Und für die Region bedeutet es, dass Nachhaltigkeit mit einer breiten Gruppe von Interessengruppen dort diskutiert wird, wo die Lieferkette tatsächlich stattfindet.

Die Aufrechterhaltung dieser Partnerschaft ist harte Arbeit. Die Allianz wird stets unterschiedliche Interessen gegeneinander abwägen müssen. Sie wird eine klare Führungsstruktur benötigen. Sie wird aufzeigen müssen, warum sich die Koordination lohnt. Außerdem muss sie sicherstellen, dass die Stimmen traditioneller Gemeinschaften und lokaler Akteure nicht von größeren Organisationen übertönt werden. Die Ausrichtung ist hierbei entscheidend. 

Die „Sustainable Soy Alliance“ zeigt, dass es bei der Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Lieferketten nicht nur um bessere Praktiken in den landwirtschaftlichen Betrieben geht. Es geht auch um die Institutionen, die dafür sorgen, dass die Menschen auch nach dem Auslaufen der externen Projektförderung weiterhin miteinander sprechen, verhandeln und gemeinsam handeln. Das ist der stille Erfolg, ohne den sich erfolgreiche Partnerschaften und letztendlich mehr Nachhaltigkeit in Lieferketten nicht tragen lassen.