Von Garnelenteichen zu sauberen Dörfern: Frau Yếns Geschichte des zirkulären Wandels in der Provinz Sóc Trăng (Vietnam)
In Sóc Trăng verbindet eine Garnelenzüchterin Abfalltrennung und die Herstellung von Krabbenchips, um Einkommensmöglichkeiten für lokale Frauen zu schaffen und die Umwelt in ihrer Gemeinde zu verbessern.
Geboren und aufgewachsen in Sóc Trăng ist Frau Nguyễn Thị Yến seit Langem mit dem Rhythmus der Garnelenzucht im Mekong Delta vertraut. Ihre Familie züchtet seit vielen Jahren Weiβbeingarnelen, doch wie sie sich erinnert, „war das Einkommen nie stabil – manchmal gut, manchmal gab es es gar nichts.“ Um über die Runden zu kommen, betrieb sie zusätzlich einen kleinen Reisboxen-Imbiss und verkaufte lokale Spezialitäten wie Krabbenchips.
Während sie sich um die Garnelenteiche ihrer Familie kümmerte, fiel Yến ein weiteres Problem auf: Abfall.
„Es war einfach zu viel“, erzählte sie. „Schlamm, Abwasser, Garnelenschalen und Plastikverpackungen – früher haben wir alles an einem Ort entsorgt.“ Mit der Zeit waren nicht nur die Teiche, sondern auch die umliegenden Straßen von Plastik und organischen Abfällen übersät, was sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit der Dorfgemeinschaft beeinträchtige.
Abfall als Chance


Das begann sich zu ändern, als Yến an Schulungen im Rahmen des von der GIZ umgesetzten Projekts Innovation for Agriculture (i4Ag) teilnahm. Dort lernten sie und andere Bäuerinnen, Abfälle richtig zu trennen und zu managen – eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung. „Nachdem ich von den Expert*innen gelernt hatte, wurde mir klar, dass wir Flaschen, Plastik und Verpackungen sortieren und an die lokale Kooperative verkaufen können“, erklärte Yến.
Heute sammelt und sortiert ihre Frauengruppe (fünf Mitglieder) alle zwei Wochen wiederverwertbare Materialen. Die Kooperative bündelt diese und verkauft sie an Recyclingbetriebe. „Zehn Prozent gehen an unsere Frauengruppe, um die Kosten für Treffen zu decken, und 90 Prozent an die Verkäuferinnen. Das ist fair und hält unsere Nachbarschaft sauber“, sagte sie stolz.
Dank der Projektunterstützung erhielt Yếns Kooperative Abfalltrennbehälter und Säcke, um organische von nicht-organischem Abfall zu trennen. „Unsere Häuser sind sauberer, die Straßen sind frei von Müll und sogar unsere Garnelenteiche sind hygienischer“, berichtete Yến. „Wir verdienen ein wenig zusätzliches Einkommen, aber noch wichtiger ist, dass wir in einer grüneren Umwelt leben.“
Von Garnelen zu Krabbenchips
Aufbauend auf diesen Erfolgen richtete sich Yến ihren Blick auf eine weitere Art von „Produkt“: die bislang ungenutzten Garnelenressourcen. Sie begann mit der Herstellung von Krabbenchips, einem traditionellen Snack aus dem Mekong-Delta, der den lokalen Garnelenerträgen einen zusätzlichen Wert verleiht.
Anfangs war sie beim Trocken auf die Sonne angewiesen, wodurch die Produktion auf sechs Monate im Jahr begrenzt war. „Während der Regenzeit musste ich komplett aufhören“, erzählte sie. Kürzlich erhielt sie mit Unterstützung des Projekts eine Trocknungsmaschine, die eine ganzjährige Produktion ermöglicht „Jetzt kann ich Krabbenchips zu jeder Jahreszeit herstellen und verkaufen“, sagt sie. „Das hat einen großen Unterschied gemacht: Mein Einkommen ist stabiler geworden, und mehrere andere Frauen arbeiten inzwischen mit mir zusammen und verdienen ebenfalls zusätzliches Geld.“
Frauen stärken, Gemeinschaften festigen
Für Yến geht der Wandel über ein höheres Einkommen hinaus. Ihre Initiative hilft anderen Frauen, das Selbstvertrauen und neue Fähigkeiten zu gewinnen, und fördert zugleich saubere Praktiken in der Garnelenzucht. „Mein Mann sieht, was ich jetzt alles leisten kann“, sagt sie lächelnd. „Er vertraut mir und unterstützt mich mehr. Das motiviert mich noch zusätzlich.“
Mit Blick in die Zukunft hofft Yến, ihr kleines Unternehmen auszubauen, eine OCOP-Zertifizierung zu erhalten und ihre Krabbenchips auf weitere Märkte zu bringen. „Das würde mehr Arbeitsplätze für lokale Frauen bedeuten und eine bessere Nutzung jeder einzelnen Garnele, die wir züchten“, fügt sie hinzu.
Ein lokales Modell der Kreislaufwirtschaft
Die Verknüpfung von Abfallmanagement, Stärkung von Frauen und wertschöpfender Verarbeitung in der Geschichte von Frau Yến zeigt, wie kleine gemeinschaftliche Initiativen große ökologische und wirtschaftliche Veränderungen bewirken können. Mit Unterstützung des i4Ag-Projekts und der GIZ hat sie das, was einst Abfälle aus der Garnelenzucht waren, in Chancen für saubere Dörfer, stabilere Lebensgrundlagen und eine widerstandsfähige Küstenregion verwandelt.




