Navigieren durch entwaldungsfreie Wertschöpfungsketten: FIT for FAIR startet in Kambodscha
Mit breiter Beteiligung aus Regierung, Privatsektor und Zivilgesellschaft startete FIT for FAIR offiziell in Kambodscha. Der Workshop vermittelte praxisnahe Einblicke in EUDR- und CSDDD-Anforderungen und stärkte den Dialog zu entwaldungsfreien Wertschöpfungsketten und Sorgfaltspflichten.
Wie kann sich Kambodscha strategisch auf die neuen EU-Anforderungen zu entwaldungsfreien und verantwortungsvollen Wertschöpfungsketten vorbereiten? Mit dieser zentralen Frage startete am 18. Februar 2026 in Phnom Penh die Veranstaltung „Navigating Deforestation-Free Value Chains and Emerging Due Diligence Requirements“. Gleichzeitig markierte das Event den offiziellen Auftakt von FIT for FAIR – einem Flagship der Team Europe Initiative für entwaldungsfreie Wertschöpfungsketten – in Kambodscha.
Der Austausch wurde gemeinsam von EuroCham Cambodia und International Trade Centre (ITC) organisiert – in enger Abstimmung mit der Delegation der Europäischen Union in Kambodscha. Rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Regierung, Privatwirtschaft, Zertifizierern und Zivilgesellschaft beteiligten sich.
Nicht für die EU – sondern für Kambodscha


In seinen Willkommensworten setzte S.E. Dr. Sok Siphana, Senior Minister für Special Missions, Chairman of the Trade Policy Advisory Board (TPAB), einen klaren Akzent: „Wenn wir versuchen, den Planeten zu retten, dann tun wir das nicht für die EU, sondern für uns selbst (…).“ Er betonte zudem: „Wir müssen sicherstellen, dass unser Naturkautschuk entwaldungsfrei ist (…) Kambodscha hat die Chance zu zeigen, dass nachhaltige Produktion und Exportwettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen können."
Auch Mr. Koen Everaert, Deputy Head of Cooperation at the European Union Delegation to Cambodia, unterstrich in seiner Eröffnungsrede, dass die EUDR neue Anforderungen vorsieht, zugleich aber Anreize für höhere Standards, bessere Rückverfolgbarkeit und mehr Wettbewerbsfähigkeit schafft. Er hob hervor, dass die EU im Rahmen der Global-Gateway-Strategie ihre Partnerschaft mit dem Privatsektor vertieft – durch technische Unterstützung, Kapazitätsaufbau und verbesserte Rückverfolgbarkeitssysteme –, um kambodschanische Unternehmen auf die zunehmenden Sorgfaltspflichten vorzubereiten und ihre Integration in nachhaltige globale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Damit wurde deutlich: Die Debatte um EUDR-Readiness ist nicht nur eine Frage regulatorischer Anpassung, sondern auch eine Frage nationaler Verantwortung, wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Im Fokus des Events standen die Sektoren Palmöl, Naturkautschuk und Holz.
Von Anforderungen zu konkreten Schritten
Mr. Mathieu Lamolle, Senior Adviser beim International Trade Centre (ITC), gab eine detaillierte Einführung in Ziele, Anwendungsbereich und Zeitplan der EUDR. Dabei erläuterte er die konkreten Sorgfaltspflichten für die relevanten Stakeholder sowie die praktischen Implikationen für kambodschanische Exporteure und andere Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Die Session schloss mit einer ausführlichen Fragerunde zu operativen Herausforderungen in der Umsetzung.
Schritt für Schritt wurde aufgezeigt, was EUDR-Readiness konkret bedeutet: von Legalitätsnachweisen und Dokumentationsanforderungen über Geolokalisierungsdaten bis hin zu Risikobewertung und Risikominderungsmaßnahmen.
Neben der EUDR wurden auch die Anforderungen der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) vertieft diskutiert – insbesondere im Hinblick auf menschenrechtliche Sorgfaltspflichten entlang globaler Wertschöpfungsketten. Damit wurde deutlich, dass es nicht nur um Umweltkriterien, sondern um umfassende unternehmerische Verantwortung geht.
Praxisbeiträge aus dem Privatsektor zeigten, dass erste Unternehmen bereits an Rückverfolgbarkeitssystemen und nachhaltigen Beschaffungsansätzen arbeiten. Gleichzeitig wurde in den Kleingruppen offen über Herausforderungen und Chancen gesprochen: über Kosten, Datenverfügbarkeit, Governance-Fragen und die Einbindung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.
Besonders deutlich wurde, dass wirtschaftliche Tragfähigkeit und Umweltschutz Hand in Hand gehen müssen. Wie S.E. Dr. Sok Siphana betonte: “Wir müssen sicherstellen, dass unser Naturkautschuk entwaldungsfrei ist. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht auf der einen Seite Geld verdienen und es auf der anderen Seite auf Kosten unserer Biodiversität und unseres Klimas wieder verlieren.”
Vom Dialog zur Umsetzung
Als lokale Host-Organisation wird EuroCham nun Arbeitsgruppen einrichten. Diese werden die laufende Status-quo- und Gap-Analyse begleiten, und darauf aufbauend konkrete Politikempfehlungen erarbeiten.
S.E. Dr. Sok Siphana richtete einen klaren Appell an die Teilnehmenden: „Jetzt ist es an der Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und an die Arbeit zu gehen!"
Mit dem Auftakt von FIT for FAIR beginnt damit ein koordinierter partizipativer Prozess, um die Vorbereitung kambodschanischer Akteure auf die EU-Anforderungen systematisch zu stärken – durch Dialog, technische Unterstützung und gemeinsame Lösungsansätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Weiterführende Links:
Press Release EuroCham Cambosia: Navigating Deforestation-Free Value Chains: EuroCham Cambodia Hosts Workshop on EU Due Diligence Re…
The Phnom Penh Post: EU deforestation regulations seen as opportunity for Kingdom’s exporters | The Phnom Penh Post
