Nachhaltigkeit, die verbindet: Vom brasilianischen Amazonas bis ins Sneakerregal
Wer sind die Menschen, die hinter den Materialien unserer Turnschuhe stehen? Und welche Auswirkungen hat eine nachhaltige Produktion von Kautschuk und Baumwolle auf Mensch und Natur? Antworten auf diese Fragen gab ein Abend im Flagshipstore der französischen Schuhmarke VEJA in Berlin, geprägt von persönlichen Geschichten über Nachhaltigkeit und der wichtigen Rolle von Partnerschaften. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen der Menschen, die hinter den gemeinsamen Projekten von VEJA und SASI stehen: Landwirt*innen, Kautschuksammler und Kooperativen aus Brasilien.
Joana Darck Bezerra Siqueira, eine brasilianische Baumwolllandwirtin, blickt auf die Sneakerauslage und Menschenmenge im vollen VEJA-Laden. Sie erzählt von ihrem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Anstatt nur Baumwolle anzubauen, baut sie jetzt auch andere Nutzpflanzen an. So kann sich ihr Land zu regenerieren und sichert gleichzeitig ihren Lebensunterhalt. „Die Baumwolle, die ihr heute im Laden seht, steht auch für unsere Freiheit. Sie verschafft uns ein Einkommen, das uns ermöglicht, ein Leben zu führen, wie wir es uns wünschen.", erklärt sie und trifft damit offensichtlich den Nerv des Publikums. Ihre Geschichte ist eine von vielen an diesem Abend. Sie zeigt welche Auswirkungen nachhaltige Anbaumethoden sowohl auf das Land als auch auf die Lebenssituation von Landwirt*innen haben können.
Landwirt*innen, Kautschukzapfer und Genossenschaftsführer berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen. Dabei zeigten sie, wie viel Kraft und Widerstandsfähigkeit in Gemeinschaft stecken. Denn Menschen und lokale Gemeinden beim Übergang zu einer nachhaltigen Baumwoll- und Naturkautschukproduktion zu unterstützen, bringt nicht nur Vorteile für den Umweltschutz. Es stärkt die lokale Gemeinschaft und fördert ihre Führungsrollen im Bereich nachhaltige Entwicklung. „Jeder einzelne unserer Partner haben viel Energie, Leidenschaft und Tatendrang. Damit haben sie schon viel erreicht. Gemeinsam mit VEJA sind wir stolz darauf, ihre Bemühungen zu verstärken, damit sie noch mehr erreichen können", fasst Florian Reil, Berater für nachhaltige Agrarlieferketten bei der SASI, den Abend voller inspirierender Geschichten zusammen.
Seit 2023 konzentriert sich die Zusammenarbeit von SASI mit VEJA auf Bio-Baumwolle und Naturkautschuk. VEJA und SASI entwickelten die Projekte gemeinsam, die jeweiligen Stärken des öffentlichen und des privaten Sektors wurden dabei miteinbezogen. VEJA sorgt für die wirtschaftliche Stabilität der Baumwollbauern und Kautschuksammlern, indem es faire Preise zahlt und garantierte Mengen abnimmt, während SASI den Übergang zu nachhaltigen Produktionsmethoden unterstützt.
Wenn aus einem Feld viele Möglichkeiten wachsen
Im Nordosten Brasiliens arbeiten SASI und VEJA mit Landwirtfamilien zusammen, die Bio-Baumwolle und neue agroökologische Anbaupraktiken nutzen: Anstatt nur Baumwolle zu pflanzen, bauen sie diese zusammen mit anderen Nutzpflanzen an. Das bedeutet gesündere Böden und mehr Lebensmittel für ihre Familien. Die Familien können so auch ihr Einkommen diversifizieren, insbesondere in Regionen, in denen sich die Bedingungen aufgrund des Klimawandels grundlegend ändern. Die Landwirt*innen selbst leiten diese Arbeit, teilen ihr Wissen und unterstützen sich gegenseitig. SASI hat die Vorteile der neuen agroökologischen Praktiken für die Landwirt*innen mit der Finanzierung von Verarbeitungsanlagen für die neuen Erträge gesteigert. „Durch die Partnerschaft mit VEJA und SASI war es möglich, den Anbau neuer Pflanzen weiter zu fördern. Mit den ersten Verarbeitungseinheiten in der halbtrockenen Region in Brasilien können wir nun Erdnüsse, Sesampaste und Öl produzieren, verarbeiten und vermarkten und damit ein zusätzliches Einkommen erzielen." Erklärt Fábio Santiago, Koordinator der Nichtregierungsorganisation Diaconia, einem der lokalen Partner, dem Publikum. Als Frau war Lucineide Cordeiro Marinho, eine Baumwolllandwirtin und jetzt Vorsitzende ihrer eigenen Gemeindevereinigung, bei der Einführung der neuen Anbaupraktiken in ihrer Gemeinde nicht nur mit technischen Herausforderungen konfrontiert. Dennoch ist sie gestärkt aus der Umstellung herausgegangen: „Ich war die erste, die die Idee des Zwischenfruchtanbaus in meiner Gemeinde einführte. Als Landwirtin war ich mit so vielen Herausforderungen und Zweifeln konfrontiert, aber jetzt bin ich die Vorreiterin. Als Präsidentin meiner Gemeindevereinigung unterstütze ich jetzt andere Frauen", erzählt sie einem Publikum, das von ihrer Geschichte sichtlich bewegt ist.

Es ist so wichtig, dass Unternehmen und Organisationen in uns Kleinbauern investieren, denn wir können viel erreichen.
Wie sich Waldschutz auszahlt
In der Amazonasregion konzentriert sich die Partnerschaft zwischen der SASI, VEJA und der NGO SOS Amazonia auf das Sammeln von Naturkautschuk und dem Schutz des Waldes. Durch die Unterstützung der natürlichen Landregeneration und der Wiederaufforstung schützen die Kautschukzapfer ihre Wälder und verbessern ihre Lebensgrundlage. Carlos Lopes, Projektkoordinator bei VEJA, erklärt: „Wir zahlen den Kautschukzapfern nicht nur einen fairen Preis für ihr Produkt, sondern auch für den Schutz und die Wiederherstellung des Waldes. Wir wollen sicherstellen, dass die Kautschuk zapfenden Familien weiterhin mit und von dem Wald leben können". Jose Rodrigues de Araujo, ein ortsansässiger Kautschukzapfer, unterstreicht die direkte Auswirkung, die steigende Absätze der VEJA Schuhe auf das Projekt selbst hat: „Wenn sich die Schuhe verkaufen, können wir das Projekt ausweiten und mehr Kautschuk zapfende Familien einbeziehen. Nun produzieren 2500 Familien im gesamten Amazonasgebiet Naturkautschuk und verdienen damit ihren Lebensunterhalt, während sie gleichzeitig den Regenwald schützen."

Die Familien, die Kautschuk abbauen, identifizieren sich stark mit der Region, in der sie leben. Durch die Diversifizierung können sie ein angemessenes Einkommen erzielen. Das stellt sicher, dass diese Familien weiterhin in der Region bleiben und das Land, in dem sie gerne leben, schützen können.
VEJA-Mitbegründer François-Ghislain Morillion betont am Schluss der Veranstaltung die Bedeutung der Partnerschaften, die im Mittelpunkt dieser Projekte stehen: „Es gibt den rationalen Teil unserer Geschichte, den Preis, den wir den Bauern zahlen, die Menge an Regenwald, die wir schützen, aber was ich darüber hinaus sehr schätze, ist die Freude gemeinsam Brücken zu bauen und Träume zu ermöglichen." Am Ende der Veranstaltung war sich jeder einig: Nachhaltigkeit stellt den Menschen und die Natur an erste Stelle. Nur durch starke Partnerschaften zwischen den öffentlichen Organisationen, dem Privatsektor und den Menschen in den lokalen Gemeinschaften können wir einen dauerhaften Wandel erreichen.

Echte Nachhaltigkeit wird nur dann von Dauer sein, wenn sie von der Privatwirtschaft vorangetrieben wird, nicht weil sie es muss, sondern weil es Sinn macht. Unsere Zusammenarbeit mit VEJA zeigt, dass das möglich ist."




