Nachhaltiger Kakaoanbau beginnt mit gesunden Bauern
Nachhaltige Lieferketten existieren nicht ohne ihre Produzenten. Sie müssen von ihrer Arbeit angemessen leben können und ihre Gesundheit muss geschützt werden. Im Kakaosektor haben sich Nachhaltigkeitsinitiativen lange Zeit auf die Steigerung der Produktivität konzentriert. Jede Ernte bedeutet jedoch viel mehr: Tausende von Familien auf dem Land stehen täglich vor der Herausforderung Zugang zur Gesundheitsversorgung zu bekommen.
In Côte d’Ivoire stellen SASI, Elucid und Tony’s Chocolonely den Menschen in der Kakaolieferkette in den Mittelpunkt. In der Region Divo, einem Kakaoanbaugebiet in der Elfenbeinküste, verbessert das Projekt CHEER den Zugang zu Gesundheitsversorgung für 5.000 Kakaobauern und ihre Familien. Im Projekt arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, der Schokoladenhersteller Tony’s Chocolonely und das Sozialunternehmen Elucid zusammen. Im Mittelpunkt steht Tony’s Chocolonely’s Cocoa Impact Engine, Tony’s Open Chain, der sich für einen systemischen Wandel im Kakaosektor einsetzt. Tony’s Open Chain hat sich dazu verpflichtet, die Kosten für den Eigenbeitrag der Produzenten zur Couverture Maladie Universelle (CMU), dem nationalen Gesundheitssystem zu tragen.
Gesundheit: ein entscheidender Faktor für Resilienz

Ein Kakaobauer wird für seine neue Gesundheitskarte fotografiert.
„Andere Projekte fördern nur unsere Kakaoplantagen; dieses hier kümmert sich um uns als Menschen“, erklärt ein Landwirt, der von dem Programm profitiert, nachdem er seine Krankenversicherungskarte erhalten hat. Lange Zeit hatten Landwirte oft das Gefühl, dass Entwicklungsinitiativen mehr an ihrer landwirtschaftlichen Leistung als an ihren Lebensbedingungen interessiert sind. Durch Investitionen in ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung würdigt das Projekt die Rechte von Landwirten. Dieser Ansatz stellt einen bedeutenden Wandel im Konzept der Nachhaltigkeit dar. Die Produktion von nachhaltigem Kakao kann sich nicht mehr nur auf bessere landwirtschaftliche Praktiken oder Umweltziele beschränken. Sie muss auch sicherer und würdigerer Lebensbedingungen für die Bauern gewährleisten.
In ländlichen Gebieten sind gesundheitliche Probleme oft eine Hauptursache für wirtschaftliche Verwundbarkeit. Wenn ein Landwirt oder ein Familienmitglied erkrankt, können die Folgen schwerwiegend sein: hohe medizinische Kosten, Einkommensverluste, Unterbrechungen der Arbeit auf den Plantagen und Schwierigkeiten, den Lebensunterhalt des Haushalts zu bestreiten. Eine Studie schätzt, dass in Westafrika 57 Arbeitstag-Äquivalent pro Anbausaison aufgrund von gesundheitlichen Problemen verloren gehen.
Der Zugang zum nationalen Gesundheitssystem in der Elfenbeinküste, der CMU, setzt hier an. Wenn Landwirte eine verbesserten Gesundheitsversorgung erhalten, können sie schneller ärztlichen Rat einholen, eine angemessene Behandlung erhalten und verhindern, dass Gesundheitsprobleme kritisch werden. Viele Landwirte haben sich jedoch noch nicht bei dem System angemeldet oder zögern aufgrund der 30-prozentigen Zuzahlung. CHEER unterstützt Landwirten dabei, ihre CMU-Karte zu erhalten, indem es beispielsweise den Transport zu den CMU-Büros organisiert, und Landwirte darüber aufklärt, wie das CMU-System funktioniert. Tony’s Chocolonely beteiligt sich an der Zuzahlung der Kakaobauern zur nationalen Krankeversicherungen, während Elucid die Plattform bereitstellt, die diese Zuzahlung technisch ermöglicht. Die Impfstoffallianz GAVI trägt ebenfalls zu einer besseren Gesundheitsversorgung für Kakaobauern ein. GAVI unterstützt medizinische Zentren in den lokalen Gemeinden, organisiert mobile Kliniken, die von Ärzten und anderem Personal aus Krankenhäusern in nahegelegenen Städten besucht werden. Darüber hinaus stellt GAVI Impfungen gegen Malaria und Gebärmutterhalskrebs für Kinder bereit.
Malaria ist bei weitem die häufigste Krankheit in der Region. Sie lässt sich leicht behandeln, wenn sie frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird, verläuft jedoch schwer und potenziell tödlich, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Durch die Sicherheit der Krankeversicherungen gehen Kakabaunern nun früher zum Arzt, wenn sie sich unwohl fühlen. Die SASI hat zu Sensibilisierungs- und Registrierungskampagnen beigetragen, indem es das Elucid-Team, vor Ort unterstützt und sich mit staatlichen Akteuren wie der lokalen Behörde für Kaffee und Kakao, dem Conseil du Café-Cacao, abgestimmt hat.
Nachhaltige Stärkung des nationalen Gesundheitssystems
Es war eine strategischen Entscheidung, die Verbesserung der Gesundheitsleistungen für Kakaobauern auf dem bestehenden CMU-System aufzubauen. Anstatt ein paralleles oder befristetes System zu schaffen, trägt das Projekt nun direkt zur Stärkung des nationalen Gesundheitssystems bei. Dieser Ansatz fördert die nachhaltige Einbindung der Produzenten in die öffentliche Gesundheitspolitik. Durch die Übernahme ihres Anteils an der Zuzahlung erleichtert das Projekt ländlichen Familien den Zugang zum nationalen System und unterstützt gleichzeitig seinen Ausbau.
Dieser Ansatz stellt sicher, dass die positiven Veränderungen nicht nach Auslaufen des Projektes wieder verschwinden und es stärkt, das Vertrauen der Menschen in die nationalen Gesundheitseinrichtungen. Schließlich leistet er einen Beitrag zum Aufbau eines inklusiveren und nachhaltigeren Sozialschutzsystems. Nicht nur der Kakaobauer selbst, sondern auch vier weitere Familienmitglieder können durch das Projekt versichert werden.
Als privatwirtschaftlicher Partner erkennt Tony’s Chocolonely, dass soziale Absicherung ein integraler Bestandteil von Nachhaltigkeit ist. Dieses Engagement trägt auch dazu bei, das Vertrauen zwischen Unternehmen und Produzenten zu stärken. Durch die Investition in das Wohlergehen von Kakaobauern zeigt Tony’s Chocolonely, dass soziale Verantwortung zu einer strategischen Säule des Kakaosektors werden kann.
Die Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung steigert nicht nur das Wohlbefinden der Bauern und ihrer Familien, sondern bildet auch eine wesentliche Grundlage für widerstandsfähigere und produktivere Plantagen: Ein gesunder Bauer ist besser in der Lage, seine Parzellen zu bewirtschaften, an landwirtschaftlichen Schulungen teilzunehmen, so kann auch die Qualität seiner Erzeugnisse zu gewährleisten. Gesundheit wird so zu einem echten Motor für die wirtschaftliche und landwirtschaftliche Entwicklung.
