03. Februar 2026

Internationale Partnerschaften für einen verantwortungsvollen Kakaosektor in Côte d'Ivoire

Der Kakaosektor in Côte d'Ivoire sichert den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen und liefert fast die Hälfte des weltweit produzierten Kakaos. Um mehr Nachhaltigkeit im Kakaosektor zu erreichen, muss auch Kinderarbeit bekämpft werden. Gemeinsam mit internationalen Partnern, darunter die Europäische Union und das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), unternimmt Côte d'Ivoire Schritte zur Stärkung der Kinderschutzsysteme.

In den letzten Jahren hat Côte d'Ivoire Gesetze erlassen, die es Kindern verbieten, gefährliche Arbeit zu verrichten. Dennoch bleibt Kinderarbeit ein großes Problem. Dieses Problem beeinträchtigt nicht nur das Wohlergehen der Kinder, sondern bedroht auch die Nachhaltigkeit der Kakaoexporte. Laut einer repräsentativen Studie von NORC an der Universität von Chicago arbeiten in Côte d'Ivoire rund 790.000 Kinder in der Kakaoproduktion, viele von ihnen unter gefährlichen Bedingungen. Eine nationale Erhebung aus dem Jahr 2013 ergab, dass 28,2 % der Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren erwerbstätig waren.

Im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung haben sich alle UN-Mitgliedstaaten, darunter auch Côte d'Ivoire, dazu verpflichtet, jede Form von Kinderarbeit zu beseitigen.

Diese Verpflichtung ist im Ziel 8.7 des Nachhaltigen Entwicklungsziels 8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum - verankert, das sofortige und wirksame Maßnahmen fordert, um:

  • Abschaffung der Zwangsarbeit und Beendigung der modernen Sklaverei und des Menschenhandels.
  • Verbot und Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, einschließlich der Rekrutierung und des Einsatzes von Kindersoldaten.

Die ivorische Regierung hat sich verpflichtet, Kinderarbeit einzudämmen. Dafür hat sie wichtige internationale Konventionen ratifiziert und konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung vor Ort in den Kakaoanbaugebieten umgesetzt. In den letzten Jahren hat die Regierung ihre Bemühungen noch einmal intensiviert. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Verbesserung der Koordinierung zwischen Institutionen und die Einrichtung von spezialisierten Schutzzentren in Hochrisikogebieten. Weitere Maßnahmen waren verbesserte Zugänge zu Bildung und sozialen Diensten und eine stärkere Durchsetzung der Kinderschutzgesetze. 

Die EU arbeitet durch das EU-Programm für nachhaltigen Kakao (SCP) mit der ivorischen Regierung zusammen, um ihre Bemühungen zur Beendigung der Kinderarbeit im Kakaosektor zu unterstützen. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Bestrebung der Europäischen Union und des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die wichtigsten Probleme im Kakaosektor anzugehen. Der Schwerpunkt des Programms liegt trauf existenzsichernden Einkommen, Entwaldung und Kinderarbeit liegt.

Die Durchführungspartner sind die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, das FAO Investment Center, das European Forest Institute und das Joint Research Center der Europäischen Kommission.

Für die Arbeit des Programms für nachhaltigen Kakao in Côte d'Ivoire ist die Bekämpfung von Kinderarbeit eine der wichtigsten Prioritäten. Das SCP unterstützt die Regierungen von Ghana und Kamerun bei der Umstellung zu einer nachhaltigen Kakaoproduktion, die frei von Abholzung und Kinderarbeit ist. Dazu stärkt das Programm öffentlichen Systeme, die Kinderarbeit überwachen und darauf reagieren. So werden die Grundlagen für eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht im Kakaosektor geschaffen.

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GIZ

In Schulungen lernen Mitglieder von regionalen und lokalen Komitees die Funktionalitäten des SOSTECI-System kennen. 

Seit Januar 2024 unterstützt das Unterstützungsprogramm für die Initiative für nachhaltigen Kakao (ProSICD) die Nationale Direktion für die Bekämpfung von Kinderarbeit (DLTE), welche zum ivorischen Ministerium für Arbeit und Sozialschutz gehört.

Im Rahmen von diesem Unterstützungsprojekt stärkt ein Pilot in der Region Cavally  die Operationalisierung des sogenannten SOSTECI-Systems, welches einen Rahmen zur Beobachtung und Überwachung von Kinderarbeit gibt. Durch dieses System verbessert die ivorische Direktion zur Bekämpfung von Kinderarbeit die Fähigkeit der Regierung, Daten zu sammeln, Maßnahmen zu koordinieren und Fortschritte im gesamten Kakaosektor zu verfolgen. Cavally wurde als Region für das Pilotprojekt ausgewählt, da es dem neuen Kakaogürtel von Côte d'Ivoire angehört , bei dem noch nicht viele Initiativen zur Bekämpfung der Kinderarbeit stattfinden. Um das System voll funktionsfähig zu machen, konzentriert sich das Programm auf die Ausbildung lokaler Komitees auf jeder Verwaltungsebene, von regionalen bis hin zu dörflichen Strukturen.

  • Die erste Schulungsreihe konzentrierte sich auf die regionale Ebene. Sie brachte etwa 100 Arbeitsinspektoren aus 13 regionalen Delegationen zusammen und schärfte das Bewusstsein für die Klassifizierung von Kinderarbeit, den Rahmen des SOSTECI- Systems und brachte den Teilnehmern bei, wie sie das für das System verwendete digitale Erhebungsinstrument einsetzen können.
  • Die zweite Runde konzentrierte sich auf die kommunale Ebene. An ihr nahmen 253 Gemeindemitglieder aus den vier Departements von Cavally teil, die die lokalen Teams zur Sensibilisierung der Gemeinden vor Ort vertraten. Im SOSTECI-System sammeln und validieren Ausschüsse auf kommunaler und regionaler Ebene Daten über Kinderarbeit. Nach der zweiten Schulungsrunde waren die Teilnehmer in der Lage, Ausschüsse auf kommunaler Ebene zu bilden. 

Durch die Bereitstellung von Fahrzeugen und Computerausrüstung stärkt das Pilotprojekt auch die Logistik und die Datenerfassung für die Operationalisierung des SOSTEI-Systems. 

Eine gemeinsame Mission der DLTE, der GIZ und der Internationalen Kakaoinitiative (ICI) besuchte die vier Departements von Cavally, um die Aktivitäten der Komitees und die Koordination zwischen ihnen zu bewerten. Die Mission sammelte Empfehlungen der Gemeinschaft zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit, von denen einige bereits umgesetzt wurden, zum Beispiel erstellte das Programm zusätzliches Material, um die lokalen Komitees bei der Aufklärung über Kinderarbeit zu unterstützen.

Darüber hinaus arbeitete das Programm mit der ICI zusammen, um acht Kakao-Kooperativen bei der Nutzung von Datensystemen zu unterstützen, durch welche sie Fälle von Kinderarbeit in ihren Anbaugebieten identifizieren, analysieren und angehen können. Es schulte auch Vertreter der Regierung und des Privatsektors zu den neuen Anforderungen an die Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte.

Die ivorische Regierung ist weiterhin entschlossen, Kinderarbeit zu bekämpfen und dafür zu sorgen, dass jedes Kind in Côte d'Ivoire in Würde, mit Chancen und Hoffnung aufwachsen kann. Die nächste Phase des EU-Programms für nachhaltigen Kakao (SCP) in Côte d'Ivoire wird sich am Nationalen Aktionsplan gegen Kinderarbeit 2025-2029 orientieren, wobei die weitere Unterstützung des SOSTECI-Systems und die Stärkung der Datenintegration zwischen öffentlichen und privaten Systemen im Vordergrund stehen werden.

Das Sustainable Cocoa Program ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Union und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, dem FAO Investment Center, dem European Forest Institute und dem Joint Research Center der Europäischen Kommission gemeinsam umgesetzt wird.