20. Oktober 2025

Fortschritte bei den Initiativen für existenzsichernde Löhne

Höhepunkte aus dem Pilotprogramm 2024 und dem Living-Wage-Programm 2025

Bild4.png

Auf aggregierter Ebene wurde festgestellt, dass 37,5% der Beschäftigten (15.612 Arbeitnehmer*innen) unterhalb des existenzsichernden Einkommens verdienen, mit einer durchschnittlichen Lohnlücke von 16,33% über alle teilnehmenden Plantagen hinweg. Die Daten zeigen jedoch auch, dass die Lohnlücken zwischen den Ländern erheblich variieren, was Unterschiede in den lokalen Lohnstrukturen, Produktionsbedingungen und Benchmarks für existenzsichernde Einkommen widerspiegelt. Eine disaggregierte Analyse nach Geschlecht verdeutlicht weitere Ungleichheiten: Unter den männlichen Beschäftigten (36.497 Arbeitnehmer) verdienen 36,3% unterhalb des existenzsichernden Einkommens, mit einer durchschnittlichen Lohnlücke von 15,85%. Bei den weiblichen Beschäftigten (5.099 Arbeitnehmerinnen) liegt der Anteil unterhalb des existenzsichernden Einkommens bei 46%, mit einer höheren durchschnittlichen Lohnlücke von 19,39%.

­

Aus den Erfahrungen früherer Lohndatenerhebungen, die überwiegend auf selbstberichteten Daten und Remote-Validierungen basierten, wurden Vor-Ort-Verifizierungen als integraler Projektbestandteil eingeführt, um die Zuverlässigkeit und Qualität der selbstberichteten Lohndaten zu gewährleisten. Insgesamt wurden 92 Vor-Ort-Verifizierungen der IDH-Lohnmatrix 2022 durch FLOCERT, eine unabhängige Zertifizierungsstelle, auf Stichproben von Bananenplantagen durchgeführt. Um den Prozess zu optimieren und die Verifizierungsbelastung für die Produzent*innen zu reduzieren, koordinierte die GIZ die Stichprobenauswahl eng mit anderen europäischen Einzelhandelsinitiativen unter der Leitung von IDH.

68% der Plantagen (63 Plantagen) erhielten ein positives Verifizierungsergebnis, das die korrekte Anwendung der IDH-Lohnmatrix und die Konsistenz der Daten bestätigte. Bei diesen Plantagen zeigte 60% eine Lohnlücke für im Durchschnitt 50% der Beschäftigten, mit einer durchschnittlichen Lohnlücke von 17%. Die verbleibenden 32% (29 Plantagen) wiesen Abweichungen auf, meist aufgrund von Fehlern bei der Kategorisierung der Beschäftigten, fehlerhafter Erfassung von Überstunden oder der Einbeziehung nicht anwendbarer Boni. Bei diesen Plantagen mit negativem Ergebnis zeigte 20% eine Lohnlücke für im Durchschnitt 41% der Beschäftigten, mit einer durchschnittlichen Lohnlücke von 18%.

Die Verifizierungsübung bestätigte, dass die Mehrheit der Produzent*innen in der Lage ist, die IDH-Lohnmatrix zuverlässig anzuwenden, verdeutlichte jedoch auch den Bedarf an kontinuierlicher Kapazitätsentwicklung und technischer Unterstützung, um eine genaue Datenerfassung auf allen Plantagen sicherzustellen. 

FLOCERT und die Auditor*innen empfahlen:

  • die Schulung zu Konzepten existenzsichernder Löhne und zur Anwendung der Lohnmatrix zu stärken,
  • die Datenerhebungssysteme zu harmonisieren, um manuelle Eingabefehler zu reduzieren, und
  • den Einsatz automatisierter Datenqualitätsprüfungen zu prüfen, um Inkonsistenzen frühzeitig zu erkennen.

Insgesamt bietet die Kombination aus erweiterter Datenerhebung, geschlechtssensitiver Analyse und Drittparteiverifizierung eine solide Grundlage für evidenzbasierte Maßnahmen zur Schließung der Lohnlücken und zur Förderung fairer und nachhaltiger Einkommen in der globalen Bananenlieferkette. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die laufende Weiterentwicklung und Optimierung des Bananen-Projekts ein.

Bild3.png

Das Living Wage Piloting Programme (LWPP), das im Januar 2024 gestartet wurde, stellte einen wichtigen Meilenstein bei der Förderung existenzsichernder Löhne in den Bananenlieferketten Lateinamerikas dar. Aufbauend auf früheren Pilotprojekten brachte das Programm 26 Farmen in sechs Ländern zusammen, erreichte über 3.400 Arbeiter*innen und bezog Einzelhändler, Produzenten sowie Arbeitnehmervertretungen aktiv ein.

Das Programm basierte auf vier zentralen Säulen:

  1. Lern- und Austauschformate,
  2. Kapazitätsaufbau,
  3. Erhebung und Verifizierung von Lohndaten, sowie
  4. Verantwortungsvolle Einkaufspraxis.

Innerhalb dieses Rahmens testete das LWPP praxisorientierte Instrumente und Ansätze zur Schließung von Lohnlücken. 

Einzelhändler unterstützten Produzenten durch freiwillige finanzielle Beiträge und verantwortungsbewusste Einkaufszusagen, wenngleich die Skalierung dieser Maßnahmen weiterhin eine Herausforderung darstellt. Präsenzschulungen und vereinheitlichte Datensysteme erwiesen sich als entscheidende Erfolgsfaktoren für eine wirksamere Umsetzung. 

Das Folgeprogramm 2025 knüpft an diese Ergebnisse an und wird nun auf über 400 teilnehmende Farmen mit rund 37.000 Arbeiter*innen ausgeweitet. Das diesjährige Living Wage Program verfolgt das Ziel, mindestens 50 % des Einkaufsvolumens jedes Einzelhändlers abzudecken und skalierbare, risikobasierte Ansätze zur Lohnverbesserung zu etablieren. Die Schwerpunkte bleiben vergleichbar: Angebote zum Kapazitätsaufbau, Datenerhebung und -verifizierung sowie die Umsetzung verantwortungsvoller Einkaufspraxis.

Screenshot_2025-10-21_082036.png