Brasilianische Delegationsreise zur BioFach: Einblick in den europäischen Bio-Markt
Bio boomt in Europa. Das bedeutet neue Chancen für nachhaltige Produkte aus Brasilien. Eine von der SASI begleitete Delegation besuchte die BioFach in Nürnberg, um Marktchancen, Zertifizierungen und neue Partnerschaften kennenzulernen.
Der europäische Markt für Bio-Produkte wächst seit Jahren. Allein in Deutschland kauften Verbraucher*innen 2025 mehr Bio-Lebensmittel als je zuvor. Mit einem Umsatz von 18,7 Milliarden Euro in 2025 wächst der Bio-Sektor damit deutlich stärker als der deutsche Lebensmittelmarkt insgesamt. Die heimische Produktion kann mit dieser steigenden Nachfrage nicht mithalten. Für ausländische Produzenten eröffnen sich damit Chancen den steigenden Bedarf zu decken oder mit neuen Produkten in den Markt einzusteigen. Im Februar nahmen Vertreter*innen der SASI und eine brasilianische Delegation aus zwei Projekten zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft an der Biofachmesse in Nürnberg teil, um neue Chancen auszuloten und den europäischen Bio-Markt kennenzulernen.
Die Delegation aus Baumwollbäuerinnen und -bauern, Kautschukzapfer*innen sowie Vertreter*innen lokaler Kooperativen und NGOs bekamen durch ihre Teilnahme an der BioFach, der weltweit größten Messe für biologische Produkte, einen umfassenden Einblick in den europäischen und globalen Bio-Markt. Die SASI organisierte hierfür gezielt Termine mit potentiellen Geschäfts- und Projektpartnern, welche auf die Bedürfnisse der Delegation zugeschnitten waren. So konnten die Teilnehmenden neue Partnerschaften aufbauen und ihr Wissen über europäische Bio-Zertifizierungen sowie Marktzugangsanforderungen vertiefen. Die Delegation traf auf der Messe zahlreiche Akteur*innen entlang der Bio-Wertschöpfungskette. In Gesprächen mit Unternehmen, Zertifizierungsorganisationen und Marktinitiativen erhielten die Teilnehmenden wertvolle Einblicke in Markttrends, Qualitätsanforderungen und mögliche Kooperationsformate.
Gespräche entlang der Bio-Wertschöpfungskette
Ein wichtiges Treffen fand mit dem Department Sourcing + Markets des Import Promotion Desk, statt. Im Mittelpunkt standen Möglichkeiten für neue Partnerschaften und Perspektiven für den Zugang brasilianischer Produkte zum europäischen Markt. Ein Austausch mit Vertreterinnen von Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V. skizzierte Unterschiede zwischen der europäischenBio- und der Naturland-Zertifizierung. Letztere inkludiert soziale Kriterien, langfristige Handelsbeziehungen sowie den Schutz der Biodiversität – etwa durch den Verzicht auf Monokulturen. Weitere Gespräche führten die brasilianischen Partner mit COPABASE. Hier konnte die Delegation mit einem Unternehmen aus dem eigenen Land Erfahrungen austauschen und mehr zu den Herausforderungen für den angestrebten Markteintritt in Europa lernen. Bei Tradin Organic, einem Unternehmen, das weltweit mit Bio-Rohstoffen handelt, standen insbesondere Produkte wie Trockenfrüchte und Nüsse im Fokus, eine Produktsparte, auf die sich die brasilianischen Kleinbäuerinnen und -bauern derzeit konzentrieren.

Für uns war es sehr wichtig, mehr über Potenzial und die Anforderungen des europäischen und ökologischen Marktes zu lernen. Wir kennen nun die Anforderungen des europäischen Marktes und orientieren uns daran, welche anderen Produkte ein gutes Potenzial haben.
Die Delegation bestand aus Vertreter*innen verschiedener Organisationen und Initiativen aus Brasilien. Die NGO Diaconia unterstützt Kleinbäuerinnen und -bauern bei der Umsetzung agroökologischer Praktiken und bietet Trainings zu Kooperation und Anpassung an klimatische Veränderungen an. Ein Schwerpunkt liegt auf dem biologischen Anbau von Baumwolle im Fruchtwechsel mit z.B. Erdnüssen, Sesam etc. im Nordosten Brasiliens.
Die Organisation SOS Amazônia entwickelt Projekte und politische Strategien zur Förderung nachhaltiger Entwicklung, der indigenen Bevölkerung und zum Schutz der biologischen Vielfalt im Amazonasgebiet. Gemeinsam mit dem französischen Sneaker-Hersteller VEJA setzt sie das Wiederaufforstungsprojekt Habitar um. Ziel des Projekts ist es, degradierte Flächen im Amazonas-Regenwald sowohl als Lebensraum für Flora und Fauna als auch als Einkommensquelle für die lokale Bevölkerung zu rehabilitieren. Dabei unterstützt VEJA lokale Kautschukzapfer*innen dabei, Waldflächen auf ihren Grundstücken zu regenerieren und nachhaltig zu bewirtschaften.
Neue Perspektiven für Produktion und Vermarktung
Die Reise nach Nürnberg bot den Teilnehmenden nicht nur fachliche Einblicke, sondern auch neue Perspektiven für ihre eigenen Produktions- und Vermarktungsstrategien.

Während unseres Besuchs auf der Biofach haben wir eine Reihe von Produkten gesehen, die lokale Familien bereits im gesamten Amazonasgebiet anbauen, insbesondere in Renaturierungsgebieten, in denen wir Agroforstsysteme etabliert haben. Viele der bereits in der Region angebauten Früchte haben kommerzielles Potenzial und eröffnen für uns Türen zu neuen Märkten, darunter auch für lokal weiterverarbeitete Produkte wie Konfitüren, Marmeladen und Trockenfrüchte.
Den Abschluss der Delegationsreise bildete eine PR-Veranstaltung im VEJA-Store in Berlin am 12. Februar. Dort hatten die Kleinbäuerinnen und -bauern die Möglichkeit, selbst auf dem Podium über ihre Anbautechniken, ihre Produktpalette sowie über Herausforderungen ihrer lokalen Lebens- und Produktionsbedingungen zu sprechen. Gleichzeitig berichteten sie, wie die Projekte vor Ort zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen und neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen.
