Sustainable Agricultural Supply Chains in Indonesia (SASCI+)
Unterstützung lokaler Strukturen, Schutz sensibler Ökosysteme und Zugang zu globalen Märkten in den indonesischen Distrikten West Kalimantan, Central Sulawesi, Lampung, East Kalimantan, West Java.
Projekt auf einen Blick

Indonesien beherbergt weitläufige Regenwaldgebiete von globaler Bedeutung, die eine einzigartige Artenvielfalt aufweisen und eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des globalen Klimas spielen. Agrarrohstoffe wie Kaffee, Kakao, Naturkautschuk oder Palmöl spielen eine wichtige Rolle für die ländliche Entwicklung, da 30% der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben.
Zugleich gelten Kaffee, Kakao, Palmöl und Naturkautschuk oft als Treiber von Entwaldung und Waldschädigung. Da Absatzmärkte und multinationale Unternehmen ihre Bemühungen verstärken, Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen aus der Lieferkette zu verbannen, wird die Nachhaltigkeit der Rohstoffe zunehmend zu einer Voraussetzung für den Marktzugang. Viele landwirtschaftliche Haushalte können jedoch kaum ihre Grundbedürfnisse decken, geschweige denn in nachhaltige Produktionsmethoden investieren, um ihre zukünftige Versorgung zu sichern.
Durch die Steigerung der nachhaltigen Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe und die Stärkung der Verarbeitung sowie der Marktverbindungen zielt das Projekt darauf ab, die Einkommen von Kleinbäuerinnen und -bauern zu erhöhen, natürliche Ressourcen zu schützen und entwaldungsfreie Lieferketten zu etablieren. SASCI+ ist in wichtigen Produktionslandschaften tätig und bringt relevante Akteure auf gemeinsame Ziele für eine nachhaltige Produktion hin, um so einen langfristigen Marktzugang und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Projektumsetzung
SASCI+ konzentriert sich auf die Lieferketten für Naturkautschuk, Palmöl, Kakao und Kaffee in Westkalimantan (Biosphärenreservat Kapuas Hulu und Bezirk Sanggau), Zentral-Sulawesi (Biosphärenreservat Lore Lindu), Lampung, Westjava und Ostkalimantan. Bei der Durchführung seiner Aktivitäten arbeitet SASCI+ mit dem indonesischen Landwirtschaftsministerium als politischem Partner sowie mit den Bezirks- und Provinzregierungen in den Zielgebieten zusammen.

Das Projekt ist in drei Handlungsfeldern tätig:
Handlungsfeld: Nachhaltige Lieferketten und Produktionslandschaften
- Förderung inklusiver Partnerschaften zwischen führenden Unternehmen und Erzeugern nachhaltiger Agrarrohstoffe
- Verbesserung der Verfügbarkeit und Verwaltung von Betriebsdaten zur Rückverfolgbarkeit und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
- Förderung von Multi-Stakeholder-Partnerschaften zur Abstimmung der Interessen hinsichtlich wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Entwicklungsziele
- Stärkung des regulatorischen Rahmens und der Rahmenbedingungen zur Förderung nachhaltiger Produktionslandschaften
Handlungsfeld: Lokale Wertschöpfung
- Förderung der Organisation von Bäuerinnen und Bauern zur Erzielung von Skaleneffekten, zur Wahrung ihrer Interessenvertretung und zur Stärkung ihrer Rolle in der Lieferkette
- Kapazitätsaufbau in den Bereichen Wertschöpfung, Qualitätsstandards und Anforderungen der internationalen Märkte
- Investitionen in die Nachernteverarbeitung zur Verbesserung von Qualität und Effizienz
Handlungsfeld: Nachhaltige Produktionspraktiken
- Kapazitätsaufbau im Bereich nachhaltiger Anbaumethoden und Klimaresilienz
- Erhöhung der Verfügbarkeit hochwertiger landwirtschaftlicher Betriebsmittel
- Schulungen zum Thema „Landwirtschaft als Geschäft“ sowie zur finanziellen Grundbildung, um Investitionen in nachhaltige Produktion zu fördern
Partner und Mitwirkende

SASCI+ arbeitet bei der Umsetzung mit einer Vielzahl von Partnern zusammen, darunter:
- ländliche und forstwirtschaftliche Gemeinschaften in Produktionslandschaften von hohem Naturschutzwert;
- Behörden auf Kreis-, Landes- und Bundesebene, die für die Förderung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion, den Waldschutz und die Flächennutzungsplanung zuständig sind; sowie
- engagierte Unternehmen, die nachhaltig produzierte Agrarrohstoffe beziehen, darunter: MARS Inc., OFI und JBCocoa in der Kakao-Lieferkette; ECOM/Indocafco und Nestlé in der Kaffee-Lieferkette; Nestlé, McDonald’s, PepsiCo und Barry Callebaut arbeiten zudem in der Palmöl-Lieferkette zusammen; Continental, Halcyon und Southland in der Kautschuk-Lieferkette.
Was wurde bisher erreicht?
Zu den wichtigsten Erfolgen zählen:
1. SASCI+ hat erfolgreiche Partnerschaften mit Unternehmen des privaten Sektors aufgebaut. Darunter fallen insgesamt 20 Kooperationsvereinbarungen, um die Aktivitäten an die Anforderungen und Bedürfnisse des Marktes anzupassen und so langfristige Liefer- und Kooperationsbeziehungen zwischen Kleinbauern und den beteiligten Unternehmen zu schaffen (7 – Kakao, 5 – Naturkautschuk, 5 – Palmöl, 3 – Kaffee). Darüber hinaus stellen die Partnerschaften und Kooperationsvereinbarungen mit Institutionen des öffentlichen Sektors auf lokaler, provinzieller und nationaler Regierungsebene weitere wichtige Erfolge dar.
2. Die Anbaufläche in den Interventionsgebieten, die anerkannten Nachhaltigkeitsstandards entspricht, ist deutlich gewachsen: 18.018 Hektar sind mittlerweile erfasst. Erreicht wurde dies durch eine höhere Nachfrage nach nachhaltigen Agrarrohstoffen sowie durch Zertifizierungssysteme wie RSPO, ISPO, Rainforest Alliance (RA) und 4C
3. Seit Beginn der Projektumsetzung hat sich SASCI+ auf die Stärkung der Beteiligung und der Rolle von Frauen und Jugendlichen in den Lieferketten konzentriert. Die bisherigen Fortschritte zeigen, dass dank maßgeschneiderter Schulungsmaßnahmen 33 % der Teilnehmerinnen und 23 % der jugendlichen Teilnehmer an den zentralen Aktivitäten zur Kompetenzsteigerung beteiligt waren.
4. SASCI+ fördert und stärkt erfolgreich verschiedene Multi-Stakeholder-Foren (MSF) in Schlüsselgebieten wie dem Biosphärenreservat Lore Lindu in Zentral-Sulawesi, im Biosphärenreservat Kapuas Hulu in Westkalimantan und im Kutai-Nationalpark in Ostkalimantan. Durch diese Aktivitäten werden Interessengruppen zusammengebracht, um sich auf Nachhaltigkeitsstrategien und -initiativen zu einigen und diese über einzelne Lieferketten hinaus auf das gesamte Zuständigkeitsgebiet hinweg umzusetzen.
Landwirt*in zu sein bedeutet auch, sich um die Umwelt zu kümmern. Wenn der Wald kahl ist, kann das zu Überschwemmungen führen, und das würde die Gemeinde verwüsten. Deshalb haben wir die Wanoja-Bauerngruppe gegründet – denn Frauen sollten in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Frauen müssen unabhängig sein und sich selbst helfen können. Glücklicherweise konnte unsere Bauerngruppe, Wanoja, mit der GIZ zusammenarbeiten. Das hat uns neue Erkenntnisse darüber vermittelt, wie wir die Pflanzen besser pflegen können. Außerdem ist uns die Bedeutung des Schutzes des Ökosystems bewusster geworden.

Auf Ebene der Landwirtschaftlichen Betriebe hat SASCI+ mehr als 25.000 Kleinbäuerinnen und -bauern unterstützt und in einer Vielzahl von Themen geschult, darunter gute landwirtschaftliche Praxis (GAP), die Einhaltung von Zertifizierungssystemen, die Vorbereitung auf die EUDR, die Gründung von Genossenschaften, Finanzkompetenzen und Agroforstwirtschaft.
- Zu den wichtigsten Ergebnissen für die zählen: Rund 93 % der geschulten Personen, überwiegend Bäuerinnen und Bauern, bestätigten einen Zuwachs an neuen Fähigkeiten, Kenntnissen und Kompetenzen für ihren landwirtschaftlichen Betrieb.
- Die durchschnittlichen Erträge der unterstützten Bäuerinnen und Bauern haben sich um 29 % verbessert, und das durchschnittliche Einkommen aus ihrer Hauptkultur hat sich verdreifacht.
- Über 15.000 Kleinbäuerinnen und Bauern geben an, dass sie den Herausforderungen des Klimawandels nun besser gewachsen sind und ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt haben.
Im Folgenden finden sich einige Beispiele dafür, wie SASCI+ Veränderungen für lokale Kleinbäuerinnen und -bauern herbeigeführt hat, darunter die Verbesserung von Qualität und Ertrag ihrer Ernten, die Steigerung ihrer Einkommen sowie der Aufbau von Partnerschaften mit Kommunalverwaltung und Privatwirtschaft:
Rückverfolgbarer, EUDR-konformer Kautschuk aus Kapuas Hulu

In Kapuas Hulu, Westkalimantan, produzierten Kleinbäuerinnen und -bauern nassen Naturkautschuk von geringer Qualität und verkauften diesen zu niedrigen Preisen an Zwischenhändler. Es fehlte eine direkte Verbindung zu Endabnehmern und Verarbeitern. SASCI+ stellte Schulungen und Instrumente zur Rückverfolgbarkeit bereit und befähigte die Bäuerinnen und Bauern so, hochwertigen und nachhaltigen Trockenkautschuk zu produzieren. Dadurch konnten sie ihn direkt an Kautschukverarbeiter zu besseren Preisen verkaufen. Zudem nutzen sie nun ein Rückverfolgbarkeitsinstrument, das entwaldungsfreie Lieferketten unterstützt und die Einhaltung der EUDR erleichtert. Dies ist ein unverzichtbares Instrument für Unternehmen, die sich zu entwaldungsfreien Lieferketten verpflichten. Das Projekt knüpfte Verbindungen zwischen den Bäuerinnen und Bauern und den Bezirks- bzw. Provinzregierungen und sicherte so politische Unterstützung für eine nachhaltige Landschaftsgestaltung. Die Bäuerinnen und Bauern erhalten nun Premiumpreise, und Rückverfolgbarkeit sowie Transparenz sind entlang der gesamten Lieferkette gewährleistet. Der hochwertige Kautschuk ermöglicht es den Abnehmern zudem, einen rückverfolgbaren MTB-Reifen auf dem deutschen Markt einzuführen. Dieser ist mit Kontrollmechanismen ausgestattet, die Entwaldung vermeiden und die EUDR-Konformität sicherstellen.
Inclusive Governance for Palm Oil in Sanggau
In Sanggau, West Kalimantan, a lack of governance has led to illegality, deforestation, and unsustainable palm oil production practices, with no formal, inclusive dialogue between the private sector, government and civil society. Initiated by the district regent and local government, all palm oil companies in the district signed a commitment to produce palm oil sustainably and established a forum for regular dialogue between stakeholders. An action plan for sustainable palm oil is also underway. As a result, monitoring of legal and sustainable practices among palm oil companies has been strengthened. The Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) and Indonesia Sustainable Palm Oil (ISPO) certifications and a pilot for inclusive farmer-company partnerships are set to improve market access and livelihoods of the farmers.
Damals stellten die Kautschukbauern hier den Kautschuk noch auf traditionelle Weise her, indem sie Behälter aus gebrauchten Kokosnussschalen, Plastikflaschen und Pestizidkanistern verwendeten. Wenn wir diesen Kautschuk in Bambus verarbeiten, ist der Preis besser, die Qualität gut und er trocknet schnell. Der Behälter belastet die Umwelt nicht und ist von guter Qualität. Die Menschen kennen diesen Kautschuk in Bambus mittlerweile als den ‚deutschen Kautschuk‘. Ich hoffe, dass der Kautschukpreis stabil bleibt, damit es den Bauern besser geht.
Ein Multi-Stakeholder-Forum für nachhaltige Plantagen in Ost-Kutai

In Ost-Kutai, Ost-Kalimantan, gab es bislang keinen Mechanismus für gemeinsames Handeln im Hinblick auf eine nachhaltige Plantagenplanung. Die offizielle Ausweisung von Gebieten mit hohem Schutzwert (High Conservation Values, HCV) umfasste keine Flächen außerhalb der Palmöl-Konzessionsgebiete, und die Kapazitäten für das HCV-Management sowie die Koordinierung von Bezirkdaten, rechtmäßigen Landbesitzrechten und der Nachhaltigkeitszertifizierung von Kleinbauern waren begrenzt. Als Reaktion darauf wurde ein Multi-Stakeholder-Forum institutionalisiert, und HCV-Gebiete wurden kartiert und rechtlich abgesichert. Das Projekt bot Schulungen für Kleinbauern und Bäuerinnen an, unterstützte die Organisation und Zertifizierung von Bauerngenossenschaften und entwickelte ein System zur Überwachung und Datenerfassung. Infolgedessen wurde in fünf vorrangigen Dörfern eine zusätzliche Fläche von 7.840 Hektar für den HCV-Schutz ausgewiesen. Insgesamt beteiligten sich 33 Unternehmen des privaten Sektors aktiv und engagierten sich für die Ziele und die Umsetzung des gemeinsamen HCV-Bewirtschaftungsplans. Mehr als 1.200 Bäuerinnen und Bauern mit über 4.400 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche wurden erfasst, um Pachtverhältnisse, Rechtskonformität und Eigentumsverhältnisse sicherzustellen. Zusätzlich wurden neun Kleinbauernkooperativen mit über 1.500 Mitgliedern gegründet, wodurch die Verwaltungskapazitäten verbessert, Arbeitsbereiche organisiert und Partnerschaften mit Palmölunternehmen aufgebaut wurden.

Auch in Zukunft wird SASCI+ weiterhin eng mit wichtigen Akteuren aus dem öffentlichen und privaten Sektor zusammenarbeiten, um die Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Lieferketten zu fördern. Die Einbindung der aus der Projektumsetzung gewonnenen Erkenntnisse in den regulatorischen Rahmen und die Unternehmenspraktiken ist entscheidend für einen nachhaltigen Wandel.
Wichtige Meilensteine für die kommenden Jahre sind:
- GAP-Schulungen für Naturkautschukproduzenten in West-Kalimantan;
- Intensivierung der Förderung von Landschaftsinitiativen in Ost-Kalimantan (MSF FORMIKA) und Zentral-Sulawesi (Biosphärenreservat Lore Lindu);
- Ausweitung der Projektzielgruppe in Westkalimantan (Naturkautschuk) und Zentral-Sulawesi (Kakao);
- Stärkung des GESI-Ansatzes (Gleichstellung der Geschlechter und soziale Inklusion) für Kakaoproduzenten in Zentral-Sulawesi und Kaffeeproduzenten in Lampung;
- Schwerpunkt auf den Schulungslehrplänen der „Farmer Field School“ und der „Farmer Business School“ sowie auf dem „Creditor Reporting System“ und der Anpassung an den Klimawandel;
- Intensivierung der Zusammenarbeit mit Behörden im Bereich nachhaltiger Rückverfolgbarkeitssysteme und der Unterstützung von Kleinbauern;
- Vereinbarungen mit dem privaten und öffentlichen Sektor über nachhaltige Landschaftsstrategien und Schutzmaßnahmen
